Was ist Phantasie?


Enzyklopädien wie der Brockhaus oder die MS-Encarta müßten eigentlich erschöpfende Antworten auf die Frage geben können, wenn es manchem Zeitgenossen jedoch so vorkommt, als sei da nicht genug, dann liegt das sicherlich auch daran, daß man dort wichtigeres zu tun hat als über das Maß das für eine Enzyklopädie vorgesehen ist hinaus – zu beschreiben, um was es sich bei dem Begriff Phantasie eigentlich handelt.

Mir ist während meiner Studien im BM & BM – Journalismus, -! -aufgefallen, daß es Phantasien von beträchtlichem Ausmaß bedarf, um dem Informationsgebot an die Weltbevölkerung gerecht zu werden.

Da ich außerdem ein „Kind der Psychiatrie“ bin, dachte ich mir, daß es in der Psychologie und in der Philosophie ohne Phantasie auch nicht geht, also machte ich mir als erstes eine Gedanken-Notiz, diese Notiz wollte sich auf der Basis der deutschen Sprache, hier zumal auch im besonderen auf der Basis der deutschen Schriftsprache, mit den Eigenarten deutscher Psychologie und Philosophie hinsichtlich der verbliebenen Ausdrucksfähigkeit unserer Sprache über Grammatik und Orthographie befassen. Ich – bin ein treuer Anhänger der wahren deutschen Sprache und verachte mit allem was in mir ist die falsche. Das – wollte ich eingangs sagen dürfen, mir ist nämlich sehr wohl klar, daß die (neue) falsche deutsche Schriftsprache die Phantasie und damit die Kreativität behindern wird wie niemals zuvor in unserer gesamten Geschichte etwas uns Deutsche behindert hat.

Bernhard Malinkewitz




Brockhaus-Definition - Auszug: Phantasie [griech.-lat., zu griech. phantázesthai >erscheinen<] die, -/... 'si\en, l) Musik: —»Fantasie. (Der Brockhaus unterscheidet die Scheibweise wie man an dem Beispiel (Musik: —»Fantasie) sehen kann, ganz eindeutig).

2) Philosophie und Psychologie: Vorstellung und Vorstellungsvermögen, das reproduktiv aus der Erinnerung, als freie Ausgestaltung der Erinnerungsinhalte oder als Neuproduktion anschaul. Inhalte wirksam ist. Auf diese Weise ist P. ein Schöpfer. Vermögen, sich in andere als die gegebenen Situationen hineinzuversetzen und auch erinnerte oder gegebene Inhalte neuartig zu kombinieren. P. wird oft mit Kreativität, Einbildungskraft, Imagination gleichgesetzt, wobei die P.-Produktionen, im Unterschied zu kreativen Ideen, meistens unabhängiger von den konkreten Aufgabenstellungen und Rahmenbedingungen der Lebenspraxis sind. P. ist ein dem Menschen eigentüml. Vermögen und wirkt als freies, meist auch das bewußte Wahrnehmen begleitendes Strömen von Vorstellungen und Denkinhalten oder als gelenkte P. (in Wünschen, Plänen, Träumen und Tagträumen, Utopien, Entwürfen aller mögl. Ideale und Lebenswelten). Sie dient der alltägl. Problembewältigung, greift als poet. Ausgestaltung über die erlebte Wirklichkeit hinaus und liefert auch die individuellen und kollektiven Bilder und Schemata, nach denen die Wirklichkeit interpretiert wird. P. enthält rationaldenker., bildhafte wie auch emotionale Elemente;

kennzeichnend sind der Spieler, und (im Unterschied zur Rationalität) ihr von vorgegebenen Regeln weitgehend freier Vollzug. S. freud deutete P. als Wunscherfüllung, >eine Korrektur der unbefriedigten Wirklichkeit und als Abbilder seel. Strömungen, die die bewußte Einstellung kompensieren. C. G. jung hob die schöpfer. Leistung der P. auch als Quelle der Kunst hervor, wobei die künstler. P. sich bes. durch Reichtum, Originalität, Lebendigkeit und die Verbindung von Einfällen zu einer organisch-ästhet. Ganzheit auszeichnet. Anders als in der P. geht nach allge­meiner Auffassung in der Phantastik das Bewußtsein der Irrealität der vorgestellten Gebilde häufig verloren.

In der griech. Philosophie bezeichnete P. zunächst >Erscheinung< und >Schein< (platon); aristoteles faßte sie dagegen als ein eigenes zw. Sinneswahrnehmung und Denken gestelltes Seelenvermögen auf, das die sinnl. Elemente zur Veranschaulichung des in reiner Form gedachten Allgemeinen liefert. Als ein zentraler Begriff der stoischen Handlungs- und Erkenntnistheorie bedeutete P. die >Vorstellung< und >produktive Einbildungskraft<. M. de montaigne bestimmte sie später in seinen moralphilosoph. Betrachtungen sowohl als Quelle aller menschl. Leidenschaften wie auch als Mittel der Selbsterkenntnis. C. wolfe faßte die reproduktive wie die produktive Vorstellung als >Phantasma< zusammen, und goethe forderte gegen J. N. tetens und I. kant, neben den angenommenen drei Grundvermögen der Seele (Denken, Fühlen, Wollen) die P. als viertes gleichrangig anzuerkennen. Die Empiristen bestreiten, daß es im strengen Sinn Neuschöpfungen der P. geben könne, die über eine neuartige Kombination oder Umgruppierung des durch die Sinne Erfahrenen hinausgehen. Jedoch widerspricht dem die Tatsache der denker., logischen, mathemat. und bes. der künstler. Phantasie.

Die höheren, komplexen Leistungen der P. liegen in einer virtuellen Steigerung und Ausweitung des gesamten Erlebnisraums. P. ist die Bedingung aller Schöpfer. Arbeit. Sie hilft die Gewohnheiten der Wahrnehmung, des Denkens und Handelns aufzubre­chen und damit neue Sacherfahrungen zu gewinnen. Die Bedeutung der P. für die Kunst wurde insbeson­dere auch von der Romantik betont, so von jean paul (>Vorschule der Ästhetik<); schöpferische P. galt schon kant als das Merkmal des Genies.

Insofern die reproduktive (d. h. z. B. Inhalte der Kunst nachvollziehende) oder die aktiv gestaltende P. dem Individuum auch den Zugang zu Hoffnungen und eigenen Ausdrucksformen eröffnet, die über sein Bestimmtsein durch vorfindl. Gegebenheiten und die Umwelt (geprägte Denk- und Verhaltensmuster, Normen, Rollenerwartungen) hinausgreifen, trägt sie wesentlich zur Bildung einer autonomen und krit. Per­sönlichkeit bei. Auch in der Erziehung kommt somit der Förderung der P., etwa durch (P.-)Spiel, Zeichnen, Erzählen, Musik, Anregung zur Suche vielfältiger oder von der Norm abweichender Lösungen von Aufgaben eine große Bedeutung zu. - Im Zusammenhang der Bewußtmachung und Veränderung von Einstellungen und Verhaltensweisen hat die P. (etwa als freies Assoziieren oder, vorgegebene Themen gestaltend, als >aktive Imagination<, auch als Rollenspiel) eine hohe therapeut. Bedeutung in der Psychologie.

H. kunz: Die anthropolog. Bedeutung der P., 2 Bde. (Basel 1946); L. lahrmann: P. u. elementares Lernen (1972); J.-P. sartre: Das Imaginäre (a.d. Frz., Neuausg. 1980); E. grassi:

Die Macht der P. (Neuausg. 1984); R. glith: Das Prinzip P. Ein Gespräch zw. theolog. Ethik u. Lit.-Wiss. (Wien 1987);

V. käst: Imagination als Raum der Freiheit (Ölten '1989);

S. freud: Traumdeutung (Neuausg. 1990); D. kamper: Zur Gesch. der Einbildungskraft (1990); Kindl. P. u. ästhet. Erfah­rung, hg. v. L. duncker u.a. (1990).


Nun noch einige Ableitungen u./o. Begriffsstellungen die ich für Sie und meine Arbeit benötige:

Noch Brockhaus-Definitionen, phantasieren, l) allg.: sich den Vorstellungen der Phantasie, Trugbildern, Wahnvorstellung hingeben.

2) Medizin: wirr reden (in Fieberträumen).

Phantasma [griech.] das, -s/...men, Sinnestäuschung, Trugbild.

Phantasmagorie [zu griech. phántasma >Sinnes-täuschung< und agorá >Versammlung<] die, -/... 'ri\en, bildungssprachlich für: Trugbild, Täuschung.

Phantastik die. -, unkontrollierte — Phantasie.

phantastisch, l) auf Phantasie beruhend, nur in der Phantasie bestehend, unwirklich;

2) umgangssprachlich für: großartig, wunderbar.


phantastische Literatur, Bez. für ein breit rar. Spektrum, unter der oft und z. T. unpräzis verallgemeinernd Begriffe wie Fantasy, Gespenstergeschichte, Gothic novel. Groteske, mag. Real Märchen, Queste, Sage, Schauerroman, Science-fiction und Utopie subsumiert werden. Gemeinsam sind dieser Gattung die Beschreibung, Konstruktion und ästhet. Akzeptanz von innerhalb, neben oder jenseits der Wirklichkeit vorhandenen Welten. Doch wird gerade die traditionelle Gegenüberstellung von >Phantastischem< und >Realem< seit der zunehmenden Einbeziehung der außereurop. Literaturen durch die vergleichende Literaturwissenschaft als problematisch empfunden. - Ausgehend von den Anfängen im 18.Jh. (H. walpole, >The Castle of Otranto< 1765), dem Beginn einer neuen, sich auch literarisch manifestierenden Rezeption des MA. und der Herausgabe und Erforschung von Sagen und Märchen, etablierte sich die Phantastik seit der Romantik als Reaktion auf den Rationalismus der Aufklärung und als eigene ästhet. Kategorie, die das Werk zahlreicher Schriftsteller bestimmte, so z. B. von N. W. Gogol, W. hauff, N. hawthorne, E. T. A. Hoffmann, H. james, C. R. maturin, G. de maupassant, H. MELVILLE, ..., mark twain. u.a..



phänomenologisch, l) allg.: die Phänomenologie betreffend.

  1. Physik: die äußere Erscheinung (>Phänomen<) oder Meßgrößen betreffend oder darauf bezogen, ohne Gründe oder Bezüge auf tieferliegende Erklärungen zu geben.


phänomenologische Psychologie, uneinheitlich verwendete Bez. für Richtungen im Grenzgebiet zw. Philosophie und Psychologie. Von p. P. wird im deutschsprachigen Raum v. a. dann gesprochen, wenn auf Ansätze von E. husserl Bezug genommen wird und, an diesen anknüpfend, Analysen von Bewußtseinsstrukturen bzw. Strukturen des bewußten Erlebens erstellt werden, wobei die Methode der Reduktion (Absehen von unwesentl. Merkmalen bzw. Herausstellen des Wesens) angewendet wird.

Bernhard Malinkewitz

PS: Da es durchscheint, das – was ich sagen will, denke ich es wäre ganz gut, würden Sie meine eigene Definition von – „Phantasie“ kennenlernen, klicken Sie dazu auf den analogen Hyperlink oder kehren Sie mit dem (Back-) Hyperlink zur Homepage zurück.

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