von
Bernhard
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Zerstörung des Intimen 1
Monika tanzt 1
Hans ist ein Freund 5
Monikas Spiel 11
21 Jahre später 14
Hans war "perversgemein"; dachte Boris (Heinz), er war das irgendwie so wie so immer schon einmal, aber an jenem Abend mit Monika, da war er es im Besonderen gewesen. Da hatte Hans es deutlich darauf angelegt, ihn - Heinz, vor Monika - zu blamieren, ihn bei ihr auszustechen, sie - für "sich", zu gewinnen ...?
Heinz hörte plötzlich wie Monika sagte: "Mensch Heinz, Mensch du ...? Mensch - ich glaube ich liebe dich?!" Seine Gedanken drangen durch die laute Musik hindurch in die Tiefe der Psyche, er war elektrisiert, die Nerven vibrierten: "Seine Ahnungen hatten ihn also doch nicht getrogen; dachte er, Monika, mein Gott, sie liebt mich ...?" Wie durch einen Hörschutz, einem Schutz aus einem Wattebausch vielleicht, so kam es ihm vor, so hörte er sie sprechen, ihre Lippen waren geöffnet, ihre Wangen leuchteten in einem dunklen Rot, ihre Sprechmuskulatur war recht angespannt, sie hatte Mühe, sich durch den Geräuschpegel den die Musik verursachte verständlich zu machen:
"Mann Heinz;
sagte sie - etwas unwirsch, hörst du mich nicht? -reagiere doch
bitte auf meine Worte, ansonsten weiß ich doch gar nicht ob du
mich überhaupt verstanden hast!" Sie schien ein wenig
beleidigt zu sein, machte ein mürrisches Gesicht, jedenfalls war
ihr merkwürdiges Lächeln verschwunden. Heinz hatte sie gut
genug beobachtet, hatte den Wechsel der Stimmung in ihr, an ihrem
Gesichtsausdruck erkennen können, aber er war zu sehr
fasziniert, war zu stark fasziniert von ihren ersten Worten auf
diesem Tanzparkett, als daß er noch schnell und zackig elegant
reagieren hätte können. Er war sensibel, war außerdem
ein guter Mensch: "Ich träume; dachte er, träume von
Wahrheit und von Zuneigung. 15 ? Jahre alt war er schon, nur
noch ein halbes Jahr; sann er sinnig, und er würde sechzehn
sein!"
1962 war ein tolles Jahr, es war klasse, die
Beatschuppen schossen aus dem Boden wie Pilze, und Kontrollen? -die
gab es so gut wie gar nicht(!). Auch ins "große - Kino"
kam er hinein ohne seinen Ausweis wegen seines Alters - auf 16 oder
18, vorzeigen zu müssen (...!), und sein Stolz war ganz
beträchtlich darob: "Aber Monika, du Supermaus; hörte
sie ihn nun sagen, natürlich hörte ich dich ...(!), ganz
klar doch, ganz klar hörte ich deine herrlichen Worte. Du
wahnsinnige Superfrau - du ..., du sagtest gerade eben tatsächlich,
daß du mich liebst. Ich ..., mein brauner Engel, bin davon
beinahe in echte Trance gefallen. Mein Innenleben, "Darling",
es wollte sich geradezu überschlagen. Ich bin ja so froh. Der
Gedanke daß es nun doch bei unserem Vorhaben heute nacht
bleiben wird, der macht mich ganz warm, er ließ zunächst
und erst einmal überhaupt keine Antwort zu - verzeihe bitte.
-Denn, ohne groß anzüglich zu sein, so hoffe ich; Heinz sagte das frivol grinsend, weißt du doch ganz sicher noch was ich meine, beziehungsweise gemeint habe!?"
"Nein ...? Flachste Monika ihm schnell ins rotwarme Gesicht, nein Heinzchen, nein nein, ich weiß ganz und gar nicht was du da gerade gemeint hast oder was du da eventuell meinen könntest ...?" - "Aber Monika; sagte Heinz wie mit schmerzlichem Gesichtsausdruck, bitte sei keine Sadistin, du hattest mir in die Hand hinein versprochen, daß wir beide heute nacht eine Peeting Nacht haben werden, zumal dann, wenn ich dich nach Hause bringe!" - "Ach ja, richtig - doch doch; lachte sie ihm, nun - wie spitzbübisch, ins Gesicht, es fällt mir wieder ein, du hast recht. Doch - ich werde mein Wort halten. Wir werden nachher - zu mir, wenn wir bei mir Zuhause sind, auf mein warmes Zimmer gehen, dort werden wir uns dann auf meinem fantastischen Bett, es ist heute mit Satin bezogen, eine ganze Stunde lang, das - antun können, was du nun tatsächlich doch meintest!" Sie hatte ganz nahe bei ihm stehend, sich in den Hüften wiegend, ihre lieben Worte, direkt in sein heißes Ohr geflüstert, er nahm sie einfach in den Arm, obwohl sie auseinander tanzten, dann küsste er sie feurig und voller Leidenschaft auf den halbgeöffneten Mund, dabei fühlte er ganz deutlich daß sie ihn überwarm wieder küsste.
Er hatte ein Glied.
Eine Diskothek - nicht, ein "Fummelbunker" oder "Tanzclub", ein "Beatschuppen" oder ein "Twistkeller", ein "Tanzstall" oder ein "Bumstheater" - so, und so ähnlich, so wurden die modernen Begegnungsstätten der Jugendlichen des Deutschlands der frühen 60er Jahre genannt, ein solcher Ort war auch das Bierlokal in dem die beiden jungen Menschen tanzten und schmusten, sie waren allerdings nicht ganz alleine. Die Tanzfläche war aus einem dunklen Holzparkett, das etwa 50 qm groß war, sie lag exzentrisch - zur Eingangstüre des Raumes hin, der Raum selbst war mit kleinen, hauptsächlich viereckigen, manchmal aber auch rechteckigen Tischen versehen worden, mindestens vier Stühle standen jeweils an einem Tisch, und der circa 170 qm große Raum, der außerdem an seinem Kopfende eine Empore besaß, auf der gelegentlich eine Musikband Profil zeigen durfte, er war wie gepfropft voll.
Twist war ein Tanz der gerade in dieser Zeit, nicht nur in Deutschland populär war, er hatte überall auf der Welt außerdem dafür gesorgt, daß schier alle ewigen Nichttänzer, nun endlich doch einmal tanzen mochten, ganz egal welche Musik gespielt wurde. Und - die jungen Leute hier, sie tanzten häufig sogestalt frei - also ohne Körperkontakt. Sie tanzten hier jedoch oftmals nur einen "twistähnlichen" Tanz, aber sie fühlten sich schier immer zusammengehörig. Bei diesem Tanzen gab es häufig auch die ausschweifendsten Verrenkungen, oftmals überaus lustig sogar anzusehen. Ja - bei solchen Tänzen war offenbar doch sehr viel erlaubt. So gut wie nie war darum dann schließlich wer wirklich jemals böse oder beleidigt. Niemals wurde wer ausgeschlossen. Niemals jemand ausgeschimpft. Das höchste Strafmaß das es dort jemals für Tanzeskapaden gegeben hatte war ein "blöder Blick". Aber - es gab dennoch zu oft Raufereien, die jedoch entstanden aus Prahl- und Großmannssucht oder Neid.
Ein fetzend hartes Lied das auch von den berühmten "Beatles" intoniert worden war, raste just nun im Augenblick durch den Saal. Die Tanzenden johlten und hüpften wie verrückt über das Parkett, man konnte sich in diesem Saal kaum noch verstehen - die Stimmung war allerdings ungeheuer hoch. Boris tanzte bewegt, er war geradezu hingerissen von der Musik, seine Gedanken gingen dennoch soziologische Wege, suchten soziale Spuren, er war ein feinsinniger junger Mensch, war anders als die meisten anderen Jugendlichen dieser "Tanzschuppenklasse".
Die meisten der anwesenden Tanzenden; dachte er komisch grinsend, waren in einer Generation, wenn auch mancher relativ fühlbare Altersunterschied wie das ewige Generationeninferno scheinen wollte, das wußte er gut genug und darum war er auch immer etwas vorsichtig.
Das Mindestalter lag eigentlich bei 16 Jahren; das war ihm klar, das Höchstalter hier war im Durchschnitt bei 24 Jahren - etwa, gelegen(!). Ja ja Boris hatte schon wieder soziale Soziologie konsumiert. Doch doch, er konnte an manchen Tagen, auch während des Tanzens, echt stark sein, stark sein in und mit solchen Gedanken.
Seine Sorgen galten tatsächlich einer sozialen Überalterung des "Clubs".
Nicht etwa, daß er Sorge gehabt hätte, es könne wer Älterer reifer wirken, nein: "Alte; so dachte er, gehören hier nicht her, die sind dann, wenn sie hier her wollen, allenfalls fiese Päderasten, und so etwas Unanständiges will ich einfach nicht kontakten müssen!"
"Heinz ...? -Heinz - hörst du mich; hatte Monika gerade eben ganz laut gerufen, ich mag dich um etwas bitten wollen, "long tall Sally" ist so ungeheuer wuchtig, wirkt so stark und fest, daß es mich spezifisch sensibilisiert. Ja - es hat mich wirklich animiert, dich zu fragen, ob du für die allernächsten Momente - nicht vielleicht doch lieber einige deiner phantastischen "Rock 'n Roll Figuren" mit mir tanzen willst?" - "Aber Monika, das ist doch gar keine Frage, natürlich will ich; rief "Boris Heinz", der in diesen Jahren lediglich von seinen Freunden nur "Heinz" gerufen wurde, dann faßte er sie auch schon an, ich genieße deine körperliche Nähe nur allzu gerne!" Seine linke Hand schoß vor, sie ergriff Monikas Rechte, sein rechter Arm, "mit Hand dran(!)" -wie er sich immer ausdrückte, sie packte ganz fest ihren linken Unterarm beim Ellenbogen, und dann ging es los. Die beiden waren, im wahrsten Sinne des Wortes, hochgradig beschwingt. Der Rest der Tanzenden bemerkte schon nach wenigen Sekunden was da auf sie alle zu kommen wollte, wie eine gemeinsame Phalanx wichen die jungen Leute zurück, machten "Heinz" und Monika Platz.
Von tanzenden Pärchen umringt, so tobten die beiden in einem kleinen, von Menschen gebildeten - Karree, über das Holz des Saales, furios war ihr Tanz, und wie in einem grandiosen Stakkato war er gleichzeitig von könnendem Glanz begleitet, war wunderbar anzusehen, war ein echter "Rock 'n Roll" - das, mit allem drum und dran.
Sie wirbelten aufeinander zu, flogen dann geradezu von einander wieder weg, drehten sich pirouettenartig jeweils gegensinnig - im Kreis, und riskierten den legendären Überschlag, das - gleich mehrmals hintereinander.
Ja Heinz war sehr stark, und Monika sehr sportlich.
sie waren eine Augenfreude: "Hallo Heinz? So hörte Heinz just im Moment eine ihm sehr gut bekannte Stimme, -du tanzt ja wie ein Weltmeister, dein lockerer Stil ist eine Augenweide, sei nicht traurig - bitte, daß ich dich hier anspreche, aber ihr beide seid so sehr in guter Fahrt, daß ich es nicht mehr ausgehalten habe!" Hans Steirer hatte sich von den Tischen herkommend, durch den Wall der Menschenleiber hindurch gearbeitet. Er stand nur wenige Zentimeter von Monika und Heinz entfernt auf dem Parkett, seine Hand berührte Heinz an der Schulter, dann machte er einen gekonnten Spreizschritt, er mußte der "herumwirbelnden" Monika ausweichen, lachend nahm er den Blick der Genugtuung, der aus den Augen von Heinz gesprungen war, entgegen, salopp wischte er wie mit einer Handbewegung einen Schatten weg, einen Schatten der sich unmutig in seinen Zügen zeigen wollte.
Hans lachte breit, war 'froh-gelaunt', klatschte in die Hände und sah Heinz herausfordernd an: "Hallo Hans; sagte Heinz, schön daß du dich hierher bemühst, warte doch eine Sekunde, das schnelle Lied ist gleich zu Ende, wir kommen dann an den Tisch zurück!" - "Ja - aber, bevor ihr kommt; winkte Hans Heinz etwas näher zu sich heran und der tanzte auch tatsächlich auf ihn zu, war jetzt nur noch Millimeter von ihm entfernt, hörte darum genauestens die leise gesprochenen Worte des neidischen Freundes, war prompt auch innerlich empört: -bevor ihr kommt; wiederholte er sich, muß ich euch beiden noch etwas sagen!" - "Was; fragte Boris erschrocken, was denn?" - "Ich habe es mir überlegt; sagte Hans locker, ich werde meine Ingrid alleine nach Hause gehen lassen; dem Boris kam es so vor als sagte Hans diesen Satz zynisch genug: -sie weiß es aber noch nicht, nach wie vor sitzt sie, das - auch in diesem Moment, wie ein Huhn, auf der elenden Stange.
-Dort; sagte er, und dabei wies er mit der rechten Hand in den Raum, -dort drüben sitzt sie an unserem gemeinsamen Tisch herum. Da bläst sie nur noch Trübsal. Kurz gesagt, lieber Heinz, ich will mit dir mitgehen, mit Nach Hause. Ich will dich begleiten - wenn du Monika nachher nach Hause bringst!" - "Nein; hörten die beiden jungen Männer urplötzlich Monikas Stimme, nein(!!); sie hatte die Worte die Hans gar lässig ausgesprochen hatte, als gegen Ingrid gerichtet gedeutet, das war ihr Grund genug, sich in das Gespräch der beiden "Freunde" einzumischen, -das wirst nicht tun, lieber "Hansemann", du gehst dann gefälligst auch alleine nach Hause, und zwar gehst du zu dir nach Hause. Ich mag dich heute keineswegs nun auch noch als Begleitung, zumal zu Heinz hinzu, nein - ich möchte dich nicht mit zu mir nehmen!" - "Du hörst es Hans; sagte Boris erleichtert, während Monika wütend guckte, Monika mag nicht, daß du mitkommst, das bedeutet für dich, daß du dir den Bruch mit Ingrid überlegen solltest oder aber, daß du heute abend alleine nach Hause gehst!" - "Nein Kinder - nein nein; sagte Hans schnell, da ist etwas Besonderes, das ich habe, das werde ich euch beiden nun verraten, ich habe Geld!"
"Was willst du damit sagen?" Fragte Monika düpiert, während Heinz bleicher wurde, er wußte daß es regnete: "Ein Taxi werde ich euch beiden spendieren, das will ich damit sagen, jedoch werde ich auch in ihm sitzen, denn es hat die gleiche Richtung. Wenn ihr beide dann - zum Schmusen wahrscheinlich, wie ich vermute, bei Monika aussteigen werdet, fahre ich weiter, fahre ich gültig der Blumenbeethofstraße zu.
-Wie du weißt, liebe Moni; das sagte er nun äußerst spöttisch, sagte er geradezu hämisch - bissig, wie du weißt, wohnt "dein Heinz" dort, ich allerdings, ich wohne dort ganz in der Nähe!" - "Aber - das ..., das wußten wir sogestalt noch nicht zu würdigen, danke Hans, es ist wirklich lieb von dir daß du uns mit einem Taxi mitnehmen willst. Wenn Heinz mitmacht, dann fahre ich gerne mit euch beiden mit. Dann macht es mir nichts aus, und sollte mein alter Herr uns kommen sehen, dann kann ich mein Verhalten in der gleichen Art erklären, in der du mich bewegt hast meine Meinung zu modifizieren!" - Na sieh'ste; sagte Hans - und: -ich bin sogar bereit ein wenig spazieren zu gehen, das Taxi warten zu lassen, euch beide somit nicht im Regen stehen zu lassen, im Falle ihr könntet nicht in den Hauseingang hinein!" - "Das ist aber wirklich nett von dir Hans; Heinz war rot geworden, er mochte es nicht wenn Hans so guckte, wenn der während seiner Worte mit diesem seltsamen Blick, außerdem sprach: -natürlich mache ich mit; sagte er weiter, ich kenne dich schließlich gut genug; es gelang ihm nun eine komische verdrehte Lüge, er schummelte ein bißchen, wollte Hans schmeichelnd in Sicherheit wiegen, -ja doch ja; sagte er noch einmal, du bist ein wahrer Freund, ich nehme dein Angebot an!" Monika und Heinz sahen sich an, ihre Blicke drückten auch ein wenig Sorge aus ...?
Der Regen knallte regelrecht in ihre Gesichter, Monikas Haar, das sie normalerweise halblang zu tragen pflegte, sah wenig appetitlich aus, es war im Moment hochgesteckt und naß, spiegelte sich schwarz. Die wenigen Meter zum Taxi reichten allerdings völlig aus, die Gesichter zu kühlen, sie nun sogar regennaß zu röten.
Das Taxi stand 12 Meter von der Ausgangstüre des Lokals entfernt.
Der Motor lief, der Fahrer war kräftig - aber freundlich: "Wo soll es denn hingehen?" Fragte er lässig, drehte sich nach Monika um, während Hans neben ihm Platz genommen hatte: "In die Blumenbeethofstraße bitte; sagte Hans laut, und zwar mit Zwischenstopp in der Magnerstraße!" "Aha!" Machte der Fahrer, grinste süffisant, legte den ersten Gang ein und fuhr los.
"Halt, hier müssen wir aussteigen; Monika war es die diese Worte hastig hervorgestoßen hatte, es war ihr so vorgekommen, als würde der Fahrer durchfahren wollen, -wir zwei sind da.
Das sagte sie nun gelassener, gemeint hatte sie natürlich sich und Heinz, allerdings konnte sie auch sehen, daß der Fahrer in die Bremsen gegangen war.
Dann jedoch sah sie Hans - und sie sah, daß Hans aussteigen wollte, sagte darum nun direkt zu ihm hin, gewandt jedoch und locker - wenn auch heimlich sorgenvoll: -Bitte Hans, bemühe dich nicht und bleibe sitzen, Heinz ist mir behilflich, er öffnet die Türe, sitzt so wie so näher dran, ich rutsche nämlich einfach über den Sitz, rutsche auf seine Seite!" - "Ach was (...!), nein nein; sagte Hans forsch, lasse es gut sein, ich verabschiede mich doch nur von euch beiden; und zum Taxifahrer hingewandt sagte er, bitte warten sie doch einen Augenblick, ich steige lediglich für eine Sekunde nur aus, ich will meinem Freund ein zünftiges 'Tschüß' sagen und zwei warme Worte!" - "Na klar doch Junge, na klar!" Ganz lässig hatte der Mann gesprochen, lässig und cool - und dabei hatte er hämisch geblickt.
"Die Türe ist verschlossen ...? Monika war total verdattert, ich besitze nur einen Wohnungsschlüssel, der Haustürschlüssel ist zerbrochen, er soll mir neu gemacht werden, aber mein Vater ist noch nicht beim Schlüsseldienst gewesen. Wer kann denn jetzt am Kandel hochklettern, wer kann denn nun durch die Regenrinne, in die Gaube klettern, kann durch den Hausflur und durch's Treppenhaus zur Innenseite dieser Türe kommen, sie öffnen und uns einlassen?" - Das mache ich glatt; sagte Heinz, schon zog er die Jacke aus und hängte sich ans Fallrohr, die beiden sahen ihn hinaufklettern, sahen ihn in dem Fensterchen verschwinden, hörten den Taxifahrer murren, "das sehr viel zu tun sei", woraufhin Hans ihn eilig bezahlte, und das Taxi entließ.
Es fuhr nun also doch ohne ihn los.
Boris staunte, er hatte es von innen im Haus gesehen, "merkwürdig(;), hatte er gedacht, sie entlassen den Wagen?(!)". Dann war er in der Etage angelangt, die - vom Höhenniveau her gesehen - den Fußboden, nur einige Zentimeter hoch über der ebenerdigen Haustüre hatte, er lag schier unmittelbar auf dem Sturz der Eingangstüre. Heinz wußte außerdem schon seit längerem: "Hier vorne, an der Innenseite der Hauswand zur Haustüre hin, hier gibt es am Boden des ersten Stocks, eine Reihe Glasbausteine, die den Blick auf den Bürgersteig vor dem Eingang ermöglichten(!)". Er kniete aus Spaß nieder, sah nach unten, was er aber sah, das ließ ihm beinahe sein Blut in den Adern gefrieren. Eilig lief er die wenigen Stufen hinunter.
Ja, Heinz machte jetzt von innen die Türe auf.
Staunend sah er Monika und Hans, sie küßten sich immer noch: -aber sagt einmal ihr zwei Wahnsinnigen; sagte er empört, was ist denn in euch beide gefahren? -Was macht ihr beide denn da? -Wieso küßt ihr euch so intensiv - wenn ich fragen darf?" - "Mensch Heinz - Mann; sagte Hans, stelle dich doch bitte nicht so seltsam an, was ist denn schon dabei, das was wir da tun, das darfst du nicht so eng sehen. Monika bedankt sich bei mir dafür, daß ich euch mit dem Taxi hergebracht habe, und außerdem ist sie überfroh, daß ich den Kerl mit dem lauten Wagen, der Motor war doch schrecklich laut, weggeschickt habe.
Moni fürchtete nämlich ihr Vater könnte wach werden, könnte uns entdecken.
Das würde Haue setzen.
Er schlägt sie.
Das zumal, wenn er sie mit Buben wie wir sie wohl sind - erwischt, wie er sagt!" - "Ah geh(!); sagte Heinz, du spinnst, du "Scheißkerlchen", du hast doch bestimmt wieder eine neue Intrige gegen Monika und mich 'im petto', mir scheint so wie so, daß du uns nur stören willst, weil du krank bist vor Eifersucht!" "Nein; sagte Hans, während Monika sich schamhaft an Heinz vorbeidrückte, um in den Hausflur zu gelangen, -nein mein Bester, ich mag euch beide. Ihr seid mir werte Freunde, und jetzt stehe ich da und erwarte von Monika, daß sie mir von der Wohnung ihrer Eltern aus, ein anderes, neues Taxi anruft, eins, das zweihundert Meter von hier entfernt anhält um nicht zu stören, da will ich mich dann hin bewegen!" - "Kommt doch hier herein; hörten sie Monika plötzlich lächeln, hier ist es warm und trocken, dort draußen steht ihr beide euch eine Erkältung in die Lunge, kommt herein!" - "Ja!" Sagte Heinz, drehte sich um und ging ohne Hans zu sehen ins Haus, Hans jedoch folgte ihm: "Weißt du eigentlich daß du unheimlich gut aussiehst Moni; sagte Hans, Boris guckte sauer aus der Jacke, daß du eine Sexkatze bist, ein Mädchen das weiß worauf es ankommt, ich fühle mich ganz klein, habe keine Sorge - bitte, mag nicht auftrumpfen, will lediglich den Samen setzen für ein kleines Gespräch zu dritt!"
"Du infamer Schuft; sagte Boris, du machst ihr den Hintern warm, du kriechst ihr da hinein obwohl ich dabei bin!" - "Laß ihn doch; sagte Monika, er macht das doch so schön, daß ich nicht umhin kann zu konzedieren, daß er wie ein schnurrender Kater auf mich wirkt. Ich mag ihn so, er ist so lieb!" - "Was ist er; fragte Boris überrascht, er ist ein Vieh, ein Kerl, "braun", ungehobelt, sät Zwietracht und lügt!" - "Ach weißt du Heinz; sagte Monika zaghaft, mir gefällt er ganz gut, ich spreche gerne noch eine Stunde lang, wenn es sein muß, mit euch beiden - hier unten, in diesem Hausflur, bin noch gar nicht müde!"
Boris hatte den Wink wohl verstanden, verzweifelt suchte er nach einem Ausweg aus diesem Dilemma, er wollte das Hans verschwindet, mochte den Jungen nicht länger hier haben: "Du gehst am besten schon einmal auf die Straße und schaust nach dem Taxi, Monika geht jetzt nämlich auf ihr Zimmer, sie wird dir einen Wagen rufen, dann kannst du nach Hause!" - "Nein Heinz, das wird Monika nicht tun. Boris war wie vom Donner gerührt, was hatte Monika da gerade gesagt, dann sah er, daß sie Hans ihre Hand gab. Er hörte jetzt wie in einem Traum befindlich Monikas weitere Worte:
-Gehe du doch nach Hause. Es regnet kaum noch, ich werde das dir versprochene Petting Stündchen ein anderes Mal nachholen. Jetzt ist Hans an der Reihe, er soll erfahren wie gut ich darin bin.
Wie gut ich darin bin Schwänze in die Hand zu nehmen!" Heinz war wie erschlagen, Schmerz und Wehleid zeigten sich in seinem sonnigbraunen Gesicht, er sah wie in einer tiefen Trance, geradezu gespenstisch die Körper der beiden jungen Leute die Treppe hinaufgehen, hörte Hans - als der noch sagte: "Das tut mir leid mein Junge, aber sie hat mir ihren Sinneswandel gerade eben vor der Haustüre gestanden. Ich habe ihr erklärt, daß ich sie mehr lieben täte, als du es jemals können wirst, meine Eltern sind reiche Menschen, deine nicht, die sind einfache Menschen, Bergarbeiternaturen, etwa vielleicht wie die Angestellten dieser Stadt!"
Dann waren die beiden verschwunden.
Schwer verletzt zog Heinz sich auf die Straße, seine Gedanken überschlugen sich: "mein Gott; dachte er, bin ich verrückt? -was ist da geschehen, was passiert denn hier, wieso ist ein solcher Sinneswandel möglich?"
Langsam ging er, einsam und geschlagen, weiter nördlich - nach Hause.
Boris hatte studiert, er war ein guter Jurist geworden, war Rechtsanwalt, seine Umgebung hatte er ganz neu gestaltet, er wohnte seit drei Jahren, seit 1979 in Wuppertal. Hier hatte er eine gutgehende Kanzlei, hier war er zufrieden, hier lebten seine 2. Ehefrau Marga und seine beiden Kinder - aus dieser 2. Ehe, Detlef und Josefine.
Es war ein trüber, regenverhangener Nachmittag, als Boris sein Büro verließ, er wollte an der Ecke der Straße - die auf die große Brücke über die Wupper führte, in dem kleinen schummerigen Kaffeehaus, eine Tasse Kakao trinken, langsam ging er die Straße hinab. Das Kaffeehaus stand an der Ecke, das Licht seiner Fenster warf Schatten - die Sicht war schlecht, ihn fröstelte, dennoch spürte er eine seltsame Sehnsucht in sich wach werden: "Ich gehe erst einmal den Böschungsabhang des Ufers hinunter; dachte er bei sich, ich will doch, bevor ich mir den Kakao schmecken lasse, einmal sehen wie die Wupper gegen die starken Pfeiler klatscht, will sehen wie die Wellen am Beton zerbrechen, mag mich ablenken wollen, der Tag war einfach zu hart!" Stolpernd ging er den gerade vorgedachten Weg, rutschte die Uferböschung hinab, stand ein bißchen im flachen Wasser der Wupper, watete zu einem Brückenpfeiler, still und leise, dann, nur einen Meter von ihm entfernt, von seiner Seite her gesehen - hinter dem ersten Pfeiler der Brücke, sah er eine schrecklich Szene: Er sah eine Frau, eine Frau die er zu erkennen glaubte, und er sah einen Mann den er nicht kannte, der Mann hatte ein Messer an die Kehle der Frau gesetzt, hatte sein Geschlechtsteil entblößt, hatte es offenbar errigiert in ihrer Hand liegen, sie führte, deutlich sichtbar für Boris, Masturbationsbewegungen am Penis des Verbrechers durch. In einer ersten Reaktion zog Boris seine Pistole aus dem Schulterhalfter, bevor er jedoch in dieser Szene tätig werden konnte, hörte er den Mann sagen: "Du elendes Luder, gib dir Mühe, fühle etwas besser, sonst ritze ich dir deinen schmutzigen Hals auf. Du solltest das glauben, ich bin darüber informiert, daß du das was du da tun sollst, erstklassig beherrschst ...; dann erkannte Boris die Frau ..., sie erkannte ihn auch: "Heinz -?! Sagte - Monika ...? Heinz ...!"
"Heinz" - hörte es, drehte sich einsam um und ging wortlos weg.