Tadi fuhr zu Sigrid aufs Zelt





von



Bernhard Malinkewitz / Bernd Müller

























BM & BM - Journalismus, Fachverlag für Technik +Kunst und Werbung

Inhaltsverzeichnis

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Schwarzwaldfahrt 1

Die Raststätte 3

Boris kennt Sigrid gut 6

Das Haus mit der Nr. 11 8


Schwarzwaldfahrt


Ein kleiner blauer Volkswagen der auch im Volksmund einfach nur Käfer genannt wurde war das Gefährt mit dem sie zu viert in den Schwarzwald gefahren sind.

Tadi war der Fahrer.

Er war ein netter Kerl, ein lieber Junge.

Sanft und ein bißchen scheu, war er gerade in einem Alter in dem sein Flieder blühte, er war 22 Jahre alt.

Sein Ziel war ein knapp nur 19-jähriges Mädchen aus dem Schwarzwald, Tadi hatte sich unsterblich in sie verliebt, sie war wirklich das hübscheste Ding, das er und auch Boris, jemals gesehen hatten.

Sie hieß Sigrid, und sie war überaus angenehm im Wesen, war zudem geschmackvoll im Verhalten, war das jedoch auch in den beinahe immer angenehmen Gesprächen.

"Boris; so hörte der junge, 17-jährige Mayer, Tadi sagen, du kennst sie doch besser als ich, wird sie auch nicht böse mit uns sein? -zumal wir ja doch mit vier Mann hoch - angefahren kommen!" - "Das glaube ich eigentlich nicht; antwortete Boris ruhig, ich glaube viel eher daran, daß Sigrid sich freuen wird!" - "Das wäre uns tatsächlich sehr lieb; hörte Boris aus dem Hintergrund Sigmar sagen, Sigmar war ein dicker Freund von Tadi und neben ihm auf dem Rücksitz saß außerdem noch der etwas ältere Bruder Tadis, -denn - ich würde mich hundeelend fühlen, sollte das nette Mädchen uns ablehnen müssen!" - "Ach ja; sagte Jasper - der Bruder Tadis, mir persönlich wäre es auch sehr angenehm. Ich glaube jedoch, daß Boris so gut sein wird, im Falle natürlich, daß er sich bemühen müßte, für uns Sterbliche ein gutes Wort einzulegen!" - "Natürlich; lächelte Boris mild, ganz recht - Jasper, aber dort ist Kirmes und der Wald ist nahe, der Schwarzwald selbst ist außerdem groß und die Schwaben sind zudem Gastfreundlich. Also mache dir doch bitte keine Gedanken darüber, ob ich etwas für dich oder für euch oder für uns zu tun haben werde!" Der Wagen schnurrte über die Autobahn, das Wetter war einfach herrlich, die Sonne lachte, das Beifahrerfenster war heruntergekurbelt, die jungen Insassen des blauen VW Käfers freuten sich des Lebens und erfreuten sich an dem Tag, an die Autobahn und an die Fahrt. Sie waren vielleicht gerade eine gute Stunde unterwegs, als Jasper und Sigmar erstmals Lust verspürten - zu rasten. "Tadi; meinte Sigmar freundlich tönend, die nun nächste Raststätte ist direkt bei Köln, wir könnten dort vielleicht einmal zur Toilette und außerdem könnten wir uns ein bißchen umsehen?" - "Ja, warum nicht, mir ist es recht!" So etwa hatte Tadi geantwortet, und dann hatte er das Radio angemacht ...

Tadi war 22 Jahre jung, er wußte genau, daß er gut zu Sigrid passen würde, außerdem sah er gut aus, 'und sein Bruder; das dachte er selbst, seltsam lächelnd, war nur darum mit dabei - weil er ihm den Schwarzwald zeigen wollte, das Auto war neu, Sigmar und Jasper waren noch nicht einmal - bislang, mit ihm weg gewesen': "Jasper; lächelnd in den Rückspiegel schauend, so sah Tadi seinen Bruder an als er ihn nun ansprach, wie gefällt dir denn die Fahrt, fahre ich auch ordentlich genug oder rutsche ich zu sehr über diese holprige Autobahn?" - "Nein - nein; grinste Jasper, du bist der beste Fahrer der Welt, Boris wird das sicher bestätigen, nicht wahr Boris?" Sogestalt fragend linste Jasper nach rechts: "Ach - weißt du lieber Jasper; sagte Boris, Tadi ist ein Genie, er fährt einen Stil wie Juan Manuel Fangio oder Rudolf Caracciola, wie Bernd Rosemayer oder Stirling Moss, das ist sonnenklar, für den Zustand dieses Teils der Autobahn zwischen Aachen und Köln kann er natürlich nicht verantwortlich gemacht werden.

Wenn man also das Rutschen subtrahiert ist Tadi ein wahrer Weltmeister!" - "Na sieh'ste, was sagte ich, auch Boris ist mit mir einer Meinung und Sigmar erwähnte es schon vor einigen Minuten!" - "Ihr seid bestimmt gute Schmeichler; lachte Tadi und sein Gesicht wurde dabei um eine Nuance dunkler, aber - wenn Sigrid nachher ebenfalls eurer Meinung ist, dann wäre ich dennoch recht zufrieden!" Boris konnte sehen - daß die drei anderen breit lächelten - lautlos griemelten, dann meinte sein Freund Tadi jedoch wie überrascht: Wir sind an der Raststätte, ich biege hier ein und lasse euch hinaus, ihr könnt ja einmal schauen was es da alles gibt!"

Das ist in Ordnung Tadi; sagte Sigmar, ich will mir eine Zigarette schmecken lassen, Jasper will ein Mineralwasser und Boris möchte sich die Beine vertreten, wir sind in zehn Minuten zurück!"

Die Raststätte

Tadi hielt den Wagen an, die Raststätte war eine ganz normale Station, ein alltägliches Bild auf deutschen Autobahnen. Da gab es die ewig unübersehbaren Zapfsäulen der Tankstelle, es gab die Hinweisschilder für Toiletten, die Parkplätze und das Restaurant.

Während Sigmar und Jasper eilig im Restaurant verschwanden, wanderte Boris auf die Herrentoilette zu, er ging hinein, hatte es nötig. Wenige Minuten nur war er in der Toilette, aber sie reichten dennoch aus, ihn erfahrener zu machen als er eigentlich ohnehin schon war. Da stand ein Kapitän der Landstraße respektive der Autobahn vor ihm an der Urinrinne, Boris sah sofort, daß es sich um einen kräftig wirkenden, ja - bullig ausschauenden Mann von etwa 36 Jahren handelte, arglos noch - stellte er sich neben ihn. Beide starrten sie, nachdem sie sich kurz angeschaut hatten wie obligatorisch alsdann die Wand an, jedoch währte dieses Starren nicht sehr lange, der junge Mayer merkte nämlich plötzlich die Hand des LKW-Fahrers, er spürte tatsächlich, wie die Hand des Mannes nach seinem Penis greifen wollte, nach 'seinem' Geschlechtsteil, das noch urinierte. Erschrocken fuhr Boris hoch: "Was - um des Himmelswillen ist mit ihnen? -was erdreisten sie sich da ...?" Er hatte seine Überraschung noch nicht überwunden - als der seltsame Nachbar die Stellung wechselte, blitzschnell, die Hand des wenig warm nur wirkenden Typen ballte sich nämlich jetzt in Bruchteilen von Sekunden zur Faust und ein furchtbarer Hieb sollte Boris treffen. Der junge Rheinländer duckte sich jedoch behende vorwärts, nahm den linken Arm ruckartig hoch - fing so den ihm zugedachten Schlag des Bulligen ab, und nun setzte Boris wie automatisch seinerseits einen krachenden Aufwärtshaken, der Muskulöse ächzte und fiel rückwärts um, in der Rinne die mit seinem Urin gefüllt war legte er sich lang. Boris drehte sich auf dem Absatz, eilig verließ er die Toilette.

Ohne zu viel von seiner Empörung zu zeigen; denn er wußte ja wo er sich hier befand, marschierte er wie gemächlich hinter das Restaurant, hier wollte er verschnaufen, hier war niemand zu sehen, hier waren Stellplätze für Rastwillige und es standen deren PKW's hier abgestellt in den gekennzeichneten Parkbuchten. Aber es waren neben den PKW - auch einige Lastkraftwagen hier abgestellt. Boris lehnte sich, nun doch seinen Atem spürend, zunächst erst einmal an die Wand - des Anbaus an, der die Toilettenräume überdachte, aber es gelang ihm noch nicht seine Gedanken in Ordnung zu bringen, zu überrascht war er gewesen. Den Blick auf die Anbauecke richtend sah es für einen imaginären Beobachter so aus, als wolle Boris wen heranlocken? -und tatsächlich, es waren vielleicht gerade erst drei oder vier Minuten vergangen, als es geschah. Der Bullige LKW-Typ bog wie in einem Sturmlauf befindlich um die Ecke, Boris erblickend stoppte er abrupt seinen Vorwärtsdrang, ein elende breites Grinsen machte sich auf seinem Gesicht bemerkbar, ohne ein Wort sprang er auf Boris zu und packte den jungen Mann am Hals. Niemand war zu sehen, niemand war in der Nähe, Boris bekam arge Not, der kräftige Unhold hielt nun mit beiden Händen seinen Hals umklammert und drückte und drückte, das tat er - während er mit dem Körper alle Abwehrversuche des jungen Mannes abfangen konnte. Boris letztes Stündlein hatte wohl geschlagen, so jedenfalls wollte es ihm scheinen, seine Sinne waren schon neblig, seine Knie puddingweich, als er schließlich aber doch - die erste Erleichterung bemerkte. Was war passiert, was ist los? Undeutlich noch - so sah er Tadi, der Freund war gekommen.

Ohne jedes Zögern hatte er zugepackt.

Er hatte den Bulligen von hinten ergriffen, hatte ihn mit der rechten Hand von oben in den Kragen gefaßt und mit der linken Hand überaus hart ins Gesäß gegriffen, dann hatte er ihn - mit einem Ruck, von Boris weggerissen, hatte ihn hochgestemmt, und - ihn sogestalt einige Sekunden über den Kopf schweben lassen, wie ein Paket hatte Tadi ihn jetzt allerdings weggeworfen. Vier Meter weit - etwa, so schätzte Boris die Weite des Wurfs ein, er tat das während Tadi schon wuchtig auf den Bulligen zuging, abwehrend hob dieser seine Hände, sprang auf und rannte auf einen hier abgestellten LKW zu, die Türe aufreißend, sich mit Schwung in das Führerhaus bewegend, das waren Momente die wie nahtlos fließend ausschauen wollten, dann sahen die beiden Freunde daß er sich einschloß.

"Was ist mit dir?" Die Worte Tadis klangen warm und freundlich: "Mir geht es ganz gut!" Sagte Boris nicht minder freundlich. Er fühlte nun Tadis starke Hand an seinem Oberarm, nahm den Druck wahr, mit dem Tadi ihn zu seinem Käfer lotste.

Sie sahen sich an und sprachen kein Wort mehr, feurige Röte war in den dunklen Augen Tadis zu sehen, schwarzhaarig wie er war bildete sich so ein Kontrast der krank hätte machen können, hätte Boris nicht gewußt - warum das so war.

Auf der Autobahn war bald nichts mehr davon zu erkennen, die beiden anderen jungen Männer hatten nichts mitbekommen, sie plauderten im Fond des VW's munter drauflos, und die Helligkeit der Sinne wollte auch wieder zu Boris und Tadi zurück.



Boris kennt Sigrid gut


"Du kennst Sigrid doch recht gut!" Sagte Tadi plötzlich leise zu Boris, der sah ihn etwas verwundert an: "Jain!" Meinte er dann jedoch ebenso leise wie Tadi: "Aber - ihr seid doch gute Bekannte, die Firma deines Vaters hat mit der Chefsekretärin eine furchtlose Tante Sigrids beschäftigt, dieser Umstand ist doch die Basis unseres Bemühens.

Wir haben Sigrid doch bei euch kennengelernt.

Sie war zu Gast bei ihrer Tante, als diese eine Geburtstagsfeier ausgerichtet hatte, auf der auch wir, du und ich also - zugegen sein durften. Und - ganz ehrlich; sagte Tadi wie als sei er verwundert, ich hatte den Eindruck, daß du die Chefsekretärin sehr gut kanntest und die Nichte gut genug?" - "Mein Vater hatte einen Bierverlag besessen, ein ordentliches Geschäft, das aus diversen Brauereien mit jenem edlen Getränk beliefert wurde, und zwar damit Vater es an Einzelhändler und Flaschenbierverkaufsstellen ausliefert. Das stimmt, und es stimmt auch, mein lieber Tadi, daß die Chefsekretärin meines Herrn Papa, Frau Bettina Krelle, die Tante von Sigrid Feingeist ist. Aber - daß ich viel mehr weiß als du, das ist nicht unbedingt zutreffend, denn ich habe die hübsche junge Frau vor diesem besagten Geburtstag, vielleicht maximal dreimal bloß gesehen, allerdings hat sie auf mich gewaltigen Eindruck gemacht. Das jedoch; lächelte Boris sanft, das wirst du doch ganz bestimmt ganz vorne verstehen!" - "Ja ja; grinste Tadi angenehm, darum fahren wir ja in den Schwarzwald. Aber dennoch habe ich gedacht, zumal ich gesehen hatte, daß ihr beide, du und Sigrid, euch sehr gut verstanden habt, daß ihr darum, doch recht gut eigentlich - miteinander bekannt sein müßtet? -wenn dem aber nicht so ist, dann habe ich wohl etwas was ich sah fehlinterpretiert - was?" - "Ja; lächelte Boris milde, sicherlich wird es so gewesen sein!"


Grinsend und frohgestimmt sahen die Freunde sich an und dieser Boris bemerkte das furchtbare rote Glühen in den überaus dunklen Augen Tadis gar nicht mehr.

Einige Zeit war nun doch schon vorbei, sie kamen jetzt in die Gegend die Sindelfingen genannt wurde, schön war es, sauber und lieblich, rings um sie her.

Die Wiesen leuchteten in sattem Grün und die Kühe und Schafe strahlten glückliche Zufriedenheit aus, als Boris Jasper sagen hörte: "Du Boris, sind wir denn jetzt bald da?"

"Ja - weißt du Jasper; sagte Boris freundlich, ich selbst bin auch erst einmal hier gewesen, aber ich erinnere mich genau, daß das Dörflein nur zwanzig Kilometer von Sindelfingen weg ist, das heißt wohl für uns vier hier, daß wir noch eine halbe Stunde im Wagen sitzen werden!"

"Ja ja doch; lachte Sigmar, Boris kennt sich gut aus, er erinnert sich präzise!" Sie bogen jetzt in die Abfahrt ein, sahen aufmerksam auf die zahlreichen Hinweisschilder und dann entdeckte Tadi das Schild das sie suchten, rechts herum ging es weiter.

Die Landstraße hatte schwäbisches Tiefbauunternehmerformat. Sie war prächtig ausgebaut - ja, es machte Freude auf ihr zu fahren: "Wir sind da; sagte Tadi nervös, da vorne ist das Ortseingangsschild, seht ihr ...? Tadi hatte den Arm ausgestreckt, seine Finger zitterten ein wenig, ernst drehte er den Kopf in den Fond des Wagens, den Wagen selber hatte er am Straßenrand angehalten. -Ich muß jetzt erst einmal für kleine Mädchen; nuschelte er beinahe etwas verlegen, der Straßengraben ist sicher der geeignete Ort dafür. Wenn ihr nervösen Haudegen auch müßt, dann steigt jetzt aus und macht euer Geschäft hier, ich mag nicht, daß wer von uns mit schwacher Blase bei unseren Gastgebern ankommt!"

Jasper und Sigmar stiegen aus, sie mußten auch.


Das Haus mit der Nr. 11

"Hier ist es; sagte Boris ruhig, stelle den Käfer an den Bürgersteig, wir sind da, sieh' nur - das Haus mit der Nummer 11 ist es!"

"Ja - ich ahnte es; sagte Tadi befriedigt, wir sind da!"


Boris ging vor den jungen Männern auf das Haus der Eltern von Sigrid zu, die Mutter der jungen Sigrid war die Schwester der Chefsekretärin seines Vaters, Bärbel Feingeist öffnete ihre Haustüre, freudig nahm sie zwei Blumensträuße entgegen, Tadi reichte seinen, elegant auf seine zwei Begleiter weisend - weiter, nachdem Boris die ausnehmend hübsche Dame mit einem Wangenkuß begrüßt, und seinen Strauß ausgewickelt übergeben hatte.

Freundlich bat Frau Feingeist die Besucher ins Haus.

"Das ist mein Mann, Herr - Ralf Feingeist; sinnend schaute die Dame des Hauses in die Runde, wie als sei sie zufrieden, stellte sie dann nacheinander ihre beiden Kinder vor, das ist Sigrid, alle vier gaben einer überaus hübschen, blauäugig - blonden und wohlproportionierten jungen Frau, ganz ganz fein das jeweilige Händchen, Sigrid lächelte lieb, nickte und nahm die heimlichen Huldigungen etwas gespannt - entgegen. -Das; sagte die Mutter dann weiter ist Olaf, Sigrids Bruder!"

Den guten Menschen aus dem ewigen Rheinland wurde nun jeweils platz angeboten, Kaffee und Kuchen wurde gereicht, Tee und Gebäck und Limonade und Bier. Sie unterhielten sich ausgiebig und waren alle froher Dinge. Das währte dann auch vier gute Stunden so. Und es wäre wohl auch noch etwas weitergegangen, wäre Sigrid nicht dazwischen gekommen: "Hier ist doch heute unsere Kirmes, ich hoffe darauf, daß ihr alle mich begleiten werdet!" Ganz lieb, geradezu sinnlich hatte sie Boris angesehen während ihrer, nach Boris Ansicht, ungemein angenehm klingenden Worte: "Ja - wir kommen alle mit; hatte er genickt, Tadi fährt uns mit dem Käfer!" - "Das ist nicht nötig; hatte Olaf gesagt, das Zelt steht knappe fünf Minuten von hier bloß entfernt!"

Tanzmusik schallte herrlich auf und sie klang ihnen aus dem sehr großen Zelt animierend entgegen, die Wiese war phantastisch weit, Boris schätzte etwa 2000 Besucher, das Zelt selbst war bestimmt mit sechs- oder siebenhundert Menschen gefüllt: "He Boris; sagte Sigrid, sie sprach leise, flüsternd geradezu, es klang eigentlich direkt nach Verschwörung, komme - zu mir; lächelte sie sehr lieb, laß uns ein bißchen tanzen gehen. Deine Begleitung, deine Freunde - oder was immer sie sein mögen, diese - drei Möchtegerns; ihre Stimme war wie Musik, die Töne klirrten vibrierend in Boris Seele, sein feinrötliches Gesicht bekam zusätzlich Farbe, sie sollen in der Zeit doch ruhig sehen wo sie abbleiben. Hier gibt es so sehr viel zu sehen, daß es wohl ungewöhnlich wäre, könnten sie nicht dennoch auf ihre Kosten kommen. Komme - zu mir, laß uns auf die Holzdielen steigen, der Tanzboden ist heiß!" Boris war high, er war wie verzaubert: "Ja - konnte das denn wahr sein!" So staunte er in geradezu fiebrigen Gedanken, wenn auch seine äußere Gelassenheit wahre Bände von seinem Charakter zeigte: "Da kommt Tadi hierher, kommt mit mir - hierher; überlegte er, und er kam ganz sicher nicht alleine bloß um hier im Schwarzwald den Humusboden zu bestaunen, die schwarzen Äcker oder grünen Wiesen, nein - er war hauptsächlich wegen des 'beautiful girl' hier, wegen Sigrid. Da stemmt dieser freundliche Tadi einen "Geisteskranken" vier Meter durch die Luft und hilft mir auch anderswie weiter, und - nun? -nun das ...?" Boris wußte jedoch genau, daß er schon einige Stunden vor Tadi in Sigrid verliebt gewesen ist. Ja - er wußte noch ganz genau, daß diese hübsche junge Frau ihn scheu und zart auf den Mund geküßt hatte, als sie vor der Geburtstagsfeier auf der dann allerdings auch Tadi zugegen war, bei ihrem zweiten Besuch im Rheinland war das gewesen, keine Mühe hatte ihn zu verzaubern: "Doch doch; dachte er mild, ihr erster Besuch war so sehr stürmisch in seinem Herzen verlaufen, daß sie das vielleicht 'doch' erkennen hatte können? -ihr zweiter Besuch, erneut also ein Besuch bei dem auch er dabei hatte sein dürfen, war dann der Besuch gewesen, bei dem sie beide sich frappierend lieb, sehr nahe gekommen sind. Dieses unwiderstehlich hübsche 'Face', die - so exorbitant warme Art, ihn zu küssen, der zarte, überaus angenehm biegsame, ja wundervoll anschmiegsame Körper der jungen Lady, und noch anderes mehr, es war das alles wahrhaft dazu angetan ihn in Träume zu versetzen!" - "Boris; sagte Tadi plötzlich, sagte der große, schwarze Junge neben ihm, du träumst, was ist los, wach auf. Laß uns gemeinsam ein Bier an dem übergroßen Zelttresen nehmen, Sigmar und Jasper mögen ja doch nur Limonade?" - "Das ist im Augenblick nur sehr schwer möglich; lächelte Boris sanft, ich habe gerade vor winzigen Momenten, unserer netten Begleiterin versprochen mit ihr tanzen zu gehen!"

Tadi sah sehr überrascht aus, dunkel wurde sein Blick und traurig: "Ach - ja; sagte er, und es klang wie verzweifelt. Dann sah er jedoch schon den abziehenden Boris, der recht fröhlich wie es schien, die selbst recht agile junge Frau hinter sich her zog, um mit ihr auf die Bretter zu stürmen. Eng, sehr eng umschlungen, so tanzten die beiden von nun an ohne Pause, es sah für den zwanglosen, aber auch für einen besessenen Beobachter so aus, daß sie, ohne - daß sie auch nur einen einzigen Tanz auslassen mochten in die Nacht hinein schwebten.

"Sigrid; hauchte Boris dem 'Fräulein' ins Ohr, ich kann mich kaum beherrschen - dich zu küssen, in mir fiebert der männliche Mensch, er hungert geradezu extrem danach deine Lippen zu fühlen, sie sanft und zart - zu küssen!" - "Oh - du phantastischer Boy, du kommst mir entgegen, auch ich fühle Sehnsüchte die sogestalt außergewöhnlich ziehend wirken, ich weiß nämlich sehr gut, daß du süchtig machst. Daß deine Küsse Offerten sind, Angebote - unsäglichen Durst zu stillen, das Glück - bis es fertig ist, geradezu emphatisch zu genießen!" - "Meine Herren; so hörte sie Boris seufzen, du verstehst es aber einem Mann Mut zu machen. Du bist schier göttlich, bist unsagbar stark, deine Art und dein Verhalten, sie schmeicheln nicht nur, sie bringen mich in Gefilde die ich bei mir - temperamentarmen Jungen, niemals für möglich gehalten habe!" Sie lächelten sich an, sahen sich tief in die blau strahlenden Augen und küssten sich so - als wären sie beide ganz alleine auf der Welt.

Die Musik spielte heiße englische und amerikanische Musik, Elvis war dabei und Roy Orbinson, Little Richard und Fats Domino, Paul Anka und Jim Reeves und noch eine ganze Reihe anderer Interpreten die es verstanden hatten den Planeten in Schwung zu bringen.

Irgendwann mußte Sigrid zur Toilette, Boris sollte mitkommen, er sollte draußen vor der Türe stehen und warten bis sie zurück wäre. Er tat es - stand da wie eine Bodyguard und fühlte sich sehr gut dabei: "Hallo; hörte er sie dann bald sagen, wir kühlen uns nun etwas ab, komm' mit, wir beide spazieren nun erst einmal ein bißchen um das Zelt herum. Auch wenn es schon dunkel ist, macht das nicht viel, die Lampen strahlen hell, und die Menschen sind auf den Karussellen in beschwingter Laune, das wollen wir uns nicht entgehen lassen!"

"Ach - Sigrid; meinte Boris etwas traurig, es ist wirklich sehr schön, und ich bin tatsächlich über die Maßen glücklich, aber - ich möchte trotzdem, daß Tadi die Chance hat mitzukommen, Tadi und seine Begleiter?"

"Mmh? Überlegte die junge Frau: -eigentlich ist mir das egal. Ich persönlich lege keinen gesteigerten Wert auf deine Begleiter, mir ging und mir geht es lediglich um dich. Du bist der Mann von dem ich erfüllt bin, der Mann der mich verrückt gemacht hat. Du bist das einzige Wesen des Planeten Erde, bei dem ich sicher weiß, daß ich tatsächlich sauber ehrlich sagen kann, 'ich - liebe dich'!" Boris war baff, sogestalt angesprochen zu sein ist exorbitant schwer zu verdauen, er rang wahrhaft nach Luft, überlegte angestrengt und sagte dann heiser: "Ja - ich ...? -ich bin beeindruckt, aber - bitte, liebe Sigrid, wenn es dich nicht allzusehr stört, dann hole ich Tadi zu uns, Tadi ist unsterblich in dich verliebt, vielleicht sogar dergestalt von der du mir gerade eben gesagt hast, wie du mir gegenüber zu empfinden in der Lage bist?" - "Hole ihn Boris, hole ihn her, wenn dir so sehr viel daran gelegen ist, dann - in der 'Dreifaltigkeit Namen', dann hole ihn hierher!"

Boris lief wie als sei er in Sorge, in einer Art Sprinterstil in das Zelt zurück, am Eingang blieb er stehen, er wollte sich orientieren, es gelang - ja, er sah Tadi und die Freunde wie sie dicht beieinander an der Theke standen.

Langsam ging er auf sie zu.

Als er etwa auf Hörweite an die drei jungen Männer heran war, hörte er Tadis Stimme folgende Worte sagen: "Mir tut es leid, es ist so schwer für mich, niemals vorher habe ich solche Gewalt verspürt, ich weiß nicht was mit mir los ist, mir geht es miserabel, ich sehe euch zu viert, das ist kaum spaßig, und ...?" Tadi hatte Boris entdeckt, sein überraschter, wenn auch merkwürdig trüber Blick hatte die anderen gewarnt: "Hallo - Boris; sagte Jasper, ja, sag' mal, wo warst du denn die ganze Zeit über? -Wir sind voller Sorge über Tadis Gemütszustand, sieh' doch nur wie er ausschaut, er ist blau!" Ja tatsächlich, das war es, das war es was dem Boris so merkwürdig vorgekommen war. Tadi war betrunken. 'Die Einsamkeit mußte ihm wohl zugesetzt haben?'

Nie vorher, niemals - hatte wer, wer auch immer, jemals, Tadi betrunken gesehen ...?


06.02.2000-11:03:40--

Bernhard Malinkewitz

07.02.2000-12:20:34-Bernhard Malinkewitz