Bernhard Malinkewitz


MS-Encarata-Info


Gilgamesch-Epos, wichtiges Literaturdenkmal des Nahen Ostens, dessen Stoff in Form verschiedener Dichtungen um den gleichnamigen Helden in mehreren altorientalischen Sprachen verbreitet war. Mehrere altbabylonische Überlieferungen wurden in Keilschrift um 2000 v. Chr. auf zwölf Tontafeln zusammengefasst, von denen die meisten aus der bekannten Bibliothek Assurbanipals I. in Ninive stammten.

Hauptfigur des Epos ist Gilgamesch (um 2600 v. Chr.), ein frühgeschichtlicher Herrscher der ersten Dynastie, der über die Stadt Uruk herrschte (in der Bibel als Erech bekannt, heute Warka im Irak), als epischer Held zu zwei Drittel Gott und zu einem Drittel Mensch. Dem Mythos zufolge reagieren die Götter auf die Gebete der unterdrückten Bürger von Uruk, indem sie den wilden Tiermenschen Engidu schicken, der Gilgamesch zu einem Ringkampf herausfordern soll. Als dieser ohne eindeutigen Sieger endet, nachdem Engidu durch sexuelle Vereinigung mit einer Frau der Natur entfremdet und „zivilisiert“ worden ist, werden Gilgamesch und Engidu Freunde und gehen gemeinsam auf Abenteuerreise, auf der sie unter anderem den Waldhüter Huwawa töten. Die Berichte ihrer Heldentaten und ihrer Tapferkeit verbreiten sich in vielen Ländern.

Nachdem die Helden nach Uruk zurückgekehrt sind, erklärt Ischtar (Inanna), die Schutzgöttin der Stadt, Gilgamesch ihre Liebe. Als er sie zurückweist, schickt sie den Himmelsstier, um die Stadt durch sieben Hungerjahre zu zerstören. Nachdem Gilgamesch und Engidu ihn getötet haben, bestrafen die Götter Engidu mit dem Tod. Gilgamesch, der sich damit nicht abfinden will, sucht auf einem beschwerlichen Weg über mehrere Jenseitsstationen den Weisen Utnapischtim am Ende der Welt auf, um das Geheimnis der Unsterblichkeit zu erfahren. Dieser erzählt Gilgamesch die Geschichte einer großen Flut, die in ihren Einzelheiten sehr stark dem alttestamentarischen Bericht von der Sintflut ähnelt. Obgleich Gilgamesch eine Bewährungsprobe nicht bestanden hat, enthüllt ihm Utnapischtim, dass sich im Meer eine Pflanze befinde, die ewige Jugend verleihe. Gilgamesch taucht ins Meer und findet die Pflanze tatsächlich, verliert sie aber später an eine Schlange und kehrt unverrichteter Dinge nach Uruk zurück.

Der Gilgamesch-Mythos wurde im Altertum häufig bearbeitet und übersetzt und wirkte weiter in andere Kulturbereiche. Die Schreiber der Bibel scheinen ihren Bericht von der Freundschaft zwischen David und Jonathan nach dem Muster der Beziehung zwischen Gilgamesch und Engidu gestaltet zu haben, und auch die Geschichte der Freundschaft von Achilles und Patroklos in der griechischen Mythologie scheint vom Gilgamesch-Epos beeinflusst.






Keilschrift, Schrift der Babylonier und Sumerer in der Antike, die benannt ist nach den keilförmigen Eindrücken meistens in Ton, aber auch in Stein, Metall, Wachs und anderen Materialien. Diese Technik wurde im Altertum in Vorderasien entwickelt. Die ältesten erhaltenen Texte in Keilschrift stammen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. und gehen damit dem Gebrauch des Alphabets rund 1 500 Jahre voraus. Die jüngsten Inschriften stammen aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. Die Keilschrift wurde vermutlich im südlichen Mesopotamien von den Sumerern entwickelt (siehe sumerische Sprache). Sie wurde dann den Bedürfnissen der akkadischen Sprache angepasst, zu der der babylonische und der assyrische Dialekt gehört. Da Akkadisch, die Sprache der späteren Bevölkerung Sumers, zur internationalen Handelssprache wurde, lehrte man sie in den Schulen des gesamten Orients. Der Gebrauch der Keilschrift erstreckte sich von Kleinasien nach Syrien, Persien und über den diplomatischen Verkehr bis nach Ägypten. Sie wurde auch zur schriftlichen Niederlegung von regionalen Sprachen verwendet, wie Hurritisch in Nordmesopotamien, Syrien und Kleinasien, Eblaitisch in Syrien, Hethitisch, Luwisch, Palaisch und Hattisch in Kleinasien, Urartäisch in Armenien und Elamisch in Persien. Darüber hinaus wurden neue Schriftsysteme entwickelt, die sich des Keils als Grundelement bedienten, sich aber in Form und Gebrauch der Schriftzeichen von dem babylonischen Modell unterschieden. Solche Systeme wurden in Ugarit (Ras Schamra, Syrien) und in Persien entwickelt, um Ugarisch (eine semitische Sprache) und das Altpersisch der achämenidischen Periode (etwa 550 bis 330 v. Chr.) zu schreiben.

Frühe Formen der Keilschrift

Die ältesten Formen der Keilschrift bestanden aus Piktogrammen (siehe Piktographie). Es war jedoch viel leichter, gerade Linien in den weichen Ton zu drücken, als die unregelmäßigen Linien eines Piktogramms zu zeichnen. Deshalb wurden Schreibwerkzeuge entwickelt, die geeignet waren, konisch zulaufende Abdrücke zu machen. Konturen der Piktogramme wurden nach und nach in keilförmige Muster umgewandelt, die schließlich ein solches Maß an Stilisierung aufwiesen, dass sie den ursprünglichen Piktogrammen kaum noch ähnelten.

Ursprünglich entsprach ein Zeichen einem Wort. Da Wörter, die nicht unmittelbar abgebildet werden konnten, durch Piktogramme von im weitesten Sinne verwandten Objekten ausgedrückt wurden (z. B. Gott durch einen Stern, stehen und gehen durch einen Fuß), standen einige Zeichen für mehrere Worte. Die meisten sumerischen Worte waren einsilbig, daher entsprachen die Zeichen – unabhängig von ihrer ursprünglichen Bedeutung – bald nur noch einzelnen Silben. Zeichen, die als Wortzeichen oder Logogramme anfangs mehr als ein Wort darstellten, erhielten nun auch verschiedene Silbenwerte. Diese Vielfalt an Möglichkeiten wird als Polyphonie bezeichnet. Andererseits weist das Sumerische viele Worte auf, die trotz unterschiedlicher Bedeutung die gleiche Lautgestalt aufweisen (Homonyme). Silbenwerte, die man Homonymen entnimmt, stimmen in der Lautung überein. Man nennt sie Homophone.

Die voll entwickelte Keilschrift verfügte über mehr als 600 Zeichen. Ungefähr die Hälfte der Zeichen konnte entweder als Logogramm oder als Silbe eingesetzt werden, die anderen waren nur Logogramme. Logogramme legten auch die Klasse (Mensch, Baum, Stein) fest, zu der ein Wort gehörte. Das System der Keilschrift blieb während der ganzen Zeit ihres Bestehens eine Mischung von Logogrammen und Silbenzeichen. Wenn sie auf eine andere Sprache angewandt wurde, las man die Logogramme einfach in dieser Sprache. Auch wenn zu manchen Zeiten eine Tendenz zur Vereinfachung der Schrift durch die Reduzierung der Anzahl der Logogramme und durch Nutzung der Polyphonie bestand, wurde der Schritt zu einem Alphabet (bei dem jedes Zeichen einem Laut entspricht) nicht vollzogen. Lediglich die ugarischen und die altpersischen Schriften erreichten dieses Stadium.

Entschlüsselung der Keilschrift

Als frühe Reisende Keilschriften in Ruinen, vor allem in Persepolis (heute Iran) entdeckten, konnte die Schrift nicht entschlüsselt werden. Der italienische Reisende Pietro della Valle entdeckte 1621 die 413 Zeilen umfassende Inschrift an einem Felsmassiv von Bisutun im Westen des Iran und kopierte sie. 1674 veröffentlichte Jean Chardin, ein französischer Händler, vollständige Inschriften in Keilschrift und stellte fest, dass diese immer in Gruppen dreier parallel angeordneter Formen auftauchen. Der erste wirkliche Fortschritt auf dem Weg zur Entschlüsselung der Schriften von Bisutun gelang Carsten Niebuhr, einem deutschen Mitglied einer dänischen Forschungsexpedition in den Nahen Osten, die von 1761 bis 1767 stattfand. Er hielt die dreifachen Inschriften zurecht für Abschriften ein und desselben Textes in drei verschiedenen unbekannten Schriften und veröffentlichte 1777 die erste genaue und vollständige Kopie der Inschrift von Bisutun. Diese dreisprachigen Inschriften von Dareios I., dem König von Persien, waren in altpersischer, elamischer (früher als Susisch bekannt) und babylonischer Keilschrift geschrieben. Die drei Schriftsysteme wurden von persischen Königen der achämenidischen Dynastie verwendet, um ihre Erlasse den drei unterworfenen Reichen bekannt zu geben.

Die altpersische Keilschrift war die erste der Inschriften, die entziffert werden konnte. Die deutschen Wissenschaftler Olaf Gerhard Tychsen und Georg Friedrich Grotefend sowie der dänische Philologe Rasmus Christian Rask identifizierten einige Zeichen. Der französische Orientalist Eugene Burnouf entzifferte schließlich einen Großteil der Zeichen des altpersischen Keilschriftsystems, und der englische Assyrologe Henry Creswicke Rawlinson interpretierte davon unabhängig den Text, den er nochmals von dem Felsmassiv in Bisutun kopiert hatte, und veröffentlichte die Ergebnisse 1846. Die Entzifferung der altpersischen Keilschrift wurde durch die Kenntnis des Pehlewi, einer jüngeren persischen Sprache, erleichtert. Die persische Keilschrift ist die einfachste und jüngste aller Keilschriftsysteme. Sie umfasst 36 Zeichen, die nahezu alle alphabetisch sind, auch wenn sie für bestimmte einfache Silben verwendet werden. Darüber hinaus verfügt das persische Keilschriftsystem über ein Trennungszeichen, das einzelne Worte voneinander abgrenzt. Der Gebrauch der persischen Keilschrift beschränkte sich auf den Zeitraum von 550 bis 330 v. Chr. Das älteste Beispiel für diese Keilschrift ist vermutlich eine Inschrift Kyrus des Großen in Pasargadae, das jüngste die von Artaxerxes III. (Regierungszeit etwa 358 bis 338 v. Chr.) in Persepolis.

Die elamische Keilschrift wird oft als Sprache der zweiten Form bezeichnet, weil sie bei den dreisprachigen Inschriften der achämenidischen Könige an zweiter Stelle auftaucht. Sie wurde 1844 von dem dänischen Orientalisten Neils Ludvig Westergaard zum ersten Mal entschlüsselt. Der Umstand, dass bei den dreisprachigen Inschriften ein und derselbe Text in jeder Keilschrift Wort für Wort wiederholt wird, war für die Übersetzung der elamischen Schrift von großer Bedeutung, da hierfür keine moderne oder bis dato bekannte Sprache zu Hilfe genommen werden konnte. Das elamische System enthält 96 Silbenzeichen, 16 Logogramme und fünf Begrenzungszeichen. Die Bedeutung der elamischen Schriftzeichen ist im Großen und Ganzen klar, auch wenn es bei einigen Worten noch Unsicherheiten gibt. Die babylonische Version des Textes von Bisutun wurde von dem französischen Orientalisten Jules Oppert, dem irischen Orientalisten Edward Hincks, dem französischen Archäologen Louis Frédérick Joseph Caignart de Saulcy und dem englischen Assyrologen Sir Henry Creswicke Rawlinson entziffert. Die Ähnlichkeit der Sprache des dritten Keilschriftsystems mit bekannten semitischen Dialekten war bei der Dechiffrierung von großer Hilfe. Die Aufzeichnungen von Bisutun gaben die ersten Hinweise, aber man weiß mittlerweile, dass die babylonische Keilschrift mehr als 2 000 Jahre vor dem Entstehungszeitpunkt der Aufzeichnungen von Bisutun in Gebrauch war. Viele ältere Dokumente in dieser Keilschrift wurden in Babylon, Nineve und anderen Orten im Zweistromland gefunden. Die babylonische Keilschrift wurde auf Siegel, Zylinder, Obelisken, Statuen und Palastwände geschrieben. Sie taucht auf vielen Tontafeln auf, von denen einige 22 Zentimeter hoch und 15 Zentimeter breit sind, während andere wenig größer als drei Quadratzentimeter sind. Die Schrift selbst ist oft sehr klein. Einige dieser kleinen Tafeln umfassen sechs Zeilen und können nur mit einem Vergrößerungsglas gelesen werden.

Heutiges Wissen über die Keilschrift

Letzte Beweise, dass die Zeichen der Keilschrift ursprünglich Piktogramme waren, fehlten, bis alte piktographische Inschriften gefunden wurden. Der deutsche Wissenschaftler Friedrich Delitzsch widersprach 1897 der Ansicht, dass die Keilschrift ursprünglich aus Piktogrammen bestand. Stattdessen nahm er an, dass sie sich aus einer verhältnismäßig kleinen Menge von Grundzeichen entwickelte. Er ging weiter davon aus, dass sich durch die Kombination solcher Grundzeichen mit der Zeit Hunderte von Zeichen entwickelten. Doch die meisten Wissenschaftler tendierten weiter zur Theorie der Piktogramme. Der piktographische Ursprung der Keilschrift wurde 1913 von dem amerikanischen Orientalisten George Aaron Bartonin in The Origin and Development of Babylonian Writing endgültig nachgewiesen. Er zeigte eine Sammlung von 288 Piktogrammen aus alten Inschriften und verfolgte ihre Entwicklung. Seiner Theorie nach wurden die ursprünglichen Zeichen nach dem Abbild des menschlichen Körpers geformt oder nach Säugetieren, Vögeln, Insekten, Fischen, Bäumen, Sternen und Wolken, Erde und Wasser, Gebäuden, Booten, Haushaltsgegenständen, Feuer, Waffen, Kleidungsstücken, Kultgegenständen, Netzen, Fallen, Tonwaren und Musikinstrumenten. Ausgrabungen deutscher Archäologen von 1928 bis 1931 in Uruk, dem heutigen Warka (Irak), brachten die ältesten bekannten Beispiele piktographischer Schriften auf Tontafeln ans Tageslicht.

Die Übersetzung von Texten in Keilschrift trug viel zur heutigen Kenntnis des alten Assyrien, Babyloniens und des gesamten Orients bei. Die Keilschrift „Kodex von Hammurapi“ zählt zu den wichtigsten Dokumenten des vorchristlichen Altertums. Andere Tafeln halfen die Geschichte des alten Ägypten zu entschlüsseln. Eine Keilschrift, die 1929 bei französischen Ausgrabungen in Ras Schamra in Nordsyrien gefunden wurde, erwies sich als Alphabet aus Konsonanten. Man schätzt, dass es von 1400 bis 1200 v. Chr. verwendet wurde. Die mythologischen Texte, die in diesem Keilschriftalphabet geschrieben wurden, werfen ein Licht auf das religiöse Leben des alten Syrien und haben auch Einfluss auf die Neuinterpretation einiger Bibelstellen.







Sumerische Sprache, von den Einwohnern des alten sumerischen Königreiches in Mesopotamien gesprochene Sprache. Wortschatz, Grammatik und Syntax des Sumerischen scheinen mit keiner anderen bekannten Sprache verwandt zu sein.

Sumerisch wurde in Keilschrift geschrieben und ist die älteste schriftlich erhaltene Sprache. Die frühesten Aufzeichnungen stammen aus den Jahren um 3700 v. Chr. und wurden in Uruk im Süden Mesopotamiens gefunden. Weitere Schriftdokumente gehen auf die Jahre um 3100 v. Chr. zurück. Ab etwa 2300 v. Chr. wurde die sumerische Sprache vom Akkadischen und Assyrisch-Babylonischen verdrängt. Allerdings blieb es bis zum Verschwinden der Keilschrift (ungefähr 1. Jahrhundert v. Chr.) als Schriftsprache in Gebrauch. Die Sprache und damit die sumerische Kultur wurde erst mit der Entzifferung der Keilschrift im 19. Jahrhundert wieder entdeckt, als sich unter den Sprachen, die man erwartet hatte, auch eine unbekannte befand.

Sumerisch ist im Gegensatz zu den flektierenden indogermanischen oder semitischen Sprachen eine agglutinierende Sprache, d. h., die Wortstämme werden nicht flektiert (gebeugt). Die grammatischen Grundeinheiten bestehen nicht aus einzelnen Wörtern, sondern aus Wortkomplexen, die meist ihre unabhängige Struktur behalten. Die grammatische Struktur des Sumerischen gleicht der anderer agglutinierender Sprachen wie Türkisch, Ungarisch und einiger kaukasischer Sprachen. Der Hauptdialekt des Sumerischen war wahrscheinlich Emegir, auch „Hauptsprache“ genannt. Daneben wurden verschiedene andere, weniger wichtige Dialekte gesprochen.

Das Sumerische hat sechs Vokale: drei offene Vokale, a, e, ô und drei entsprechende geschlossene Vokale a,e, ü. Die Vokale wurden nicht deutlich ausgesprochen und häufig nach den Regeln der Vokalharmonie modifiziert. Diese Regeln galten vor allem für kurze, unbetonte grammatische Partikeln. Am Wortende oder zwischen Konsonanten entfielen häufig die Vokale. Das Sumerische hat 15 Konsonanten: b, p, t, d, hartes g, k, z, s, sh, ch (wie in Loch), r, l, m, n und ng (wie in jung). Am Wortende wurden die Konsonanten nur ausgesprochen, wenn eine mit einem Vokal beginnende grammatische Partikel folgte.

Die meisten sumerischen Wortstämme bestehen nur aus einer Silbe. Sie können mit anderen Wortstämmen zu mehrsilbigen Wörtern verbunden werden. Die meisten Substantive sind zusammengesetzte Wörter wie lu-gal, „König“ (wörtlich „großer Mann“), dub-sar, „Schreiber“ (wörtlich „Tafelschreiber“) und di-ku, „Richter“ (wörtlich „Urteilsbestimmer“). Abstrakte Begriffe werden mit nam gebildet, wie nam-lu-gal in der Bedeutung von „Königtum“, die Mehrzahl durch Wiederholung des Wortstammes. Das Sumerische kennt kein grammatisches Geschlecht. Die Substantive sind aber in die beiden Kategorien belebt und unbelebt eingeteilt. Tiere gehören zur grammatischen Kategorie des Unbelebten.

Der Satz besteht im Sumerischen aus einem Prädikat und einer Reihe mit dem Verb in Verbindung stehender Substantivkomplexe wie Subjekt, direktes Objekt, indirektes Objekt oder Ortsobjekt, mit dem der räumliche Bezug einer Aussage ausgedrückt wird. Das Prädikat besteht aus der Stammform des Verbes und einer Reihe von Infixen, d. h. grammatischen Elementen, die in ein Wort eingeschoben werden. Die Infixe verstärken die bereits durch die grammatischen Partikeln aufgebaute Beziehung zwischen dem Prädikat und den Substantivkomplexen. Ein Substantivkomplex kann aus einem Substantiv oder aus einem Substantiv und einem Modifikator wie einem Adjektiv, Genitivformen, einem Relativsatz und einem Possessivpronomen bestehen. Die Partikel, die den Bezug zum Prädikat herstellt, steht immer am Ende des Komplexes und wird deshalb auch Postposition genannt.

Das Sumerische besitzt verhältnismäßig wenig Adjektive. An deren Stelle wurden häufig Genitivkonstruktionen verwendet. Kopula (Hilfsverben) und Konjunktionen traten selten auf. Im Sumerischen gibt es kein Relativpronomen. Die nur selten verwendeten Relativsätze werden durch eine nachgestellte nominalisierende Partikel angezeigt. Häufig werden sie durch eine Passivpartikel ersetzt, die formal mit dem Infinitiv identisch ist.




Akkadische Sprache und Literatur, die älteste semitische Sprache, die auf das 3. Jahrtausend v. Chr. zurückgeht, sowie die in dieser Sprache geschriebenen Texte des alten Akkadiens (siehe Sumer). Nachdem um 3000 v. Chr. akkadische Einwanderer nach Mesopotamien kamen, verdrängten sie das Sumerische als die dort gesprochene Sprache. Akkadisch wurde bis zum 1. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien gesprochen und breitete sich während der akkadischen Dynastie und der Herrschaft Sargons (um 2300 v. Chr.) vom Mittelmeer bis zum Persischen Golf aus. Nach dem 2. Jahrtausend v. Chr. spaltete sich das Akkadische in zwei Dialekte auf: Assyrisch und Babylonisch. Für das Akkadische ist deshalb auch der Begriff Assyrisch-Babylonisch (Siehe assyrisch-babylonische Sprache; assyrisch-babylonische Literatur) gebräuchlich. Assyrisch wurde später durch Babylonisch verdrängt, das sich bis zum 9. Jahrhundert v. Chr. als Lingua franca des Nahen Ostens durchgesetzt hatte. Im 7./8. Jahrhundert v. Chr. ersetzte Aramäisch das Babylonische, das etwa bis zum 1. Jahrhundert n. Chr. gesprochen wurde. Akkadisch kannte circa 600 Wörter und Silben, es hatte drei Kasus (Nominativ, Akkusativ und Genitiv) und zwei Genera, die durch Suffixe markiert wurden. Sein Lautsystem setzte sich aus 20 Konsonanten und acht Vokalen zusammen.

Assurbanipal (auch Aschur-Bani-Apli, Regierungszeit 669-627 v. Chr.), letzter großer Herrscher Assyriens. Er erbte ein riesiges Königreich, das sich vom heutigen Nordägypten bis Persien erstreckte. 652 v. Chr. hatte er sein Herrschaftsgebiet so weit ausgedehnt, dass es das heutige Südägypten und Westanatolien mit einschloss.

Seine Herrschaftszeit gilt als der Höhepunkt der assyrischen Kultur. Er gehörte zu den wenigen antiken Herrschern des Nahen Ostens, die des Lesens und Schreibens mächtig waren, und ließ als erster durch Gelehrte in Ninive eine bedeutende Sammlung von Keilschriftentafeln zusammentragen. Sie umfasste didaktische, literarische und religiöse Texte und war wahrscheinlich die bedeutendste Bibliothek des Alten Orient. Seine königlichen Residenzen, besonders die in Ninive, ließ er mit prächtigen Reliefs schmücken, die Kriegs-, Jagd- und Alltagsszenen aus dem Palastleben darstellten.

Obwohl das Assyrische Reich unter Assurbanipal seine größte Ausdehnung erfuhr, gab es bereits während seiner Herrschaft erste Anzeichen des Niedergangs. Im Jahre 652 v. Chr. führte sein Bruder Shamash-Shum-Ukin eine Revolte an, die von den benachbarten Babyloniern, Aramäern, Elamitern und Arabern unterstützt wurde. Assurbanipal brauchte vier Jahre, um Babylonien zu unterwerfen und mindestens drei weitere, um die anderen Rebellen zu bestrafen. Der riesige militärische Aufwand, der dafür nötig war, hatte jedoch die Mittel seines Reiches erschöpft, so dass es in den Wirren nach seinem Tode zugrunde ging.