Bernhard Malinkewitz
Märchen - was ist das Ganze eigentlich?
(MS-Encarta 99 war der Wissensspender)
Märchen (zu Mär, von althochdeutsch maren: verkünden, rühmen), Erzählung mit phantastisch-wunderbaren Elementen ohne raumzeitliche Festlegung, zu deren Personal Zauberer, Hexen, Feen, Gnome, Geister, Zwerge, Riesen, Drachen, redende Tiere, eingreifende Naturgewalten, verwunschene Menschen etc. gehören. Zumeist wird auf Figurenebene ein typisierender Kampf von Gut gegen Böse ausgetragen, wobei am tröstlichen Ende zumeist das Gute siegt. Dabei sind die Übergänge zu anderen Erzählformen wie Legende, Schwank, Sage, Fabel, Novelle usw. oftmals fließend. Märchen wurden zunächst mündlich tradiert; diese Volksmärchen waren zunächst an den Vortrag eines Erzählers in einem Hörerkreis gebunden, wobei Gestik und Mimik eine bedeutende Rolle spielten eine Tradition, die in manchen orientalischen Ländern heute noch gepflegt wird (siehe Volksdichtung). Für den deutschsprachigen Raum wurden Volksmärchen von den Brüdern Grimm in ihren Kinder- und Hausmärchen (2 Bde., 1812 und 1815) gesammelt (siehe Grimms Märchen).
Eine Sonderform des Märchens ist das so genannte Kunstmärchen, das vor allem in der Romantik beliebt war. Bedeutende Kunstmärchen verfassten u. a. Johann Wolfgang Goethe, Ludwig Tieck, Eduard Mörike, Hans Christian Andersen und Hugo von Hofmannsthal. Darüber hinaus hat sich in der Märchenforschung der enge Begriff des Zaubermärchens etabliert, der allerdings klar umrissene Gattungsgrenzen impliziert, die keineswegs vorhanden sind.
Siehe auch Aschenputtel; Tausendundeine Nacht; Sindbad der Seefahrer
Hexen
Hexe (Märchen), (von althochdeutsch hagazussa: Zaunreiterin), im Volksaberglauben eine geheimnisvolle, zauberkundige Frau (Hexe). Als Figurenstereotyp in Märchen wie Hänsel und Gretel und Sagen (Hexensabbat auf dem Blocksberg) erscheint sie meist als alte und hässliche Schreckgestalt mit Buckel, die Unzucht mit dem Teufel treibt, auf einem Besen durch die Lüfte reitet und Menschen und Tieren Schaden zufügt. Die Wirksamkeit ihrer magischen Kräfte soll zu bestimmten Zeiten wie zur Osternacht, zum Andreastag oder zur Walpurgisnacht besonders groß sein. Der älteste Beleg der Bezeichnung ist aus althochdeutschen Glossen des 9. und 10. Jahrhunderts überliefert. Der Begriff verbreitete sich im 13. und 14. Jahrhundert durch die Theologen der mittelalterlichen Kirche und war im Rahmen der Hexenverfolgungen inhaltlich durch päpstliche Bullen, staatliche Gesetzgebung und Literatur (Hexenhammer von 1487) definiert. Doch bestanden schon in der Antike, wo Thessalien als Hexenland fungierte, bei den Germanen und anderen alteuropäischen Völkern sowie im Orient Vorstellungen von weiblichen Unholden, an die der spätere Volksaberglaube anknüpfen konnte. Heute noch geben Bezeichnungen wie Hexenschuss, Hexenkraut und Hexenbesen Zeugnis vom mittelalterlichen Hexenwahn.
Aberglauben
Aberglaube (eigentlich: verkehrter Glaube). Zum Aberglauben gehört es, dass man an unsichtbare, unbekannte Mächte glaubt und daran, dass man diese durch Gegenstände oder Rituale beeinflussen kann. Zauberei, Hexerei und jede Art von Okkultismus werden oft als Aberglaube bezeichnet. Zu den bekannten Beispielen für Aberglauben gehören die Überzeugung, dass es Unglück bringt, wenn einem eine schwarze Katze über den Weg läuft, oder wenn man unter einer Leiter durchgeht. Als abergläubisch gilt es auch, Glücksbringer zu besitzen oder bei sich zu tragen, die Böses abwenden oder Glück bringen sollen, wie etwa Hufeisen, Hasenpfoten, Münzen oder Medaillons.
Es ist schwierig, genau zu bestimmen, was schon zum Aberglauben zählt und was noch nicht. Der Glauben eines Menschen kann für einen anderen schon Aberglaube sein. Atheisten halten vermutlich alle religiösen Überzeugungen und Praktiken für abergläubisch.
ZauberkundigeZauber, Formeln, Handlungen oder auch Gegenstände, von denen man glaubt, dass sie magische Kraft besitzen und Schaden abwenden oder Glück bringen können. Ein Zauber war ursprünglich nur eine Formel, die gesprochen wurde, um okkulte Einflüsse auszuüben. Später bezeichnete man mit einem Zauber auch Gegenstände wie z. B. ein Amulett, das man zum Schutz oder als Glücksbringer bei sich trägt.
Amulett
Amulett, alle Gegenstände, denen magische Kräfte zugeschrieben werden und die man als Zaubermittel bei sich trägt. Ein Amulett ist meist ein Stück Stein oder Metall, in das eine Inschrift oder Zeichen eingraviert sind. Für gewöhnlich trägt man ein Amulett um den Hals. Es soll den Träger vor Krankheit und Hexerei bewahren. Schon die alten Ägypter trugen Amulette, zum Teil an Halsketten. Im antiken Griechenland nannte man einen solchen Abwehrzauber phylakterion. Im jüdischen Glauben gab es Pergamentstücke mit Gesetzesabschnitten, die als Amulette getragen wurden, und den Pharisäern galten diese Objekte als sichtbare Zeichen der Frömmigkeit. Sie dienten jedoch zugleich als Schutz vor bösen Geistern und anderen schädlichen Einflüssen. Die christliche Kirche übernahm den Gebrauch der Amulette, auf denen für gewöhnlich das griechische Wort ichthys (Fisch) eingraviert war, das die Initialen der griechischen Worte: Jesus Christus, Sohn Gottes, Erlöser enthielt. In gnostischen Sekten waren Gemmen weit verbreitet, auf denen das Wort abraxas eingraviert war. Amulette waren unter den Christen bald so verbreitet, dass es den Geistlichen im 4. Jahrhundert unter Androhung der Entziehung der Weihen verboten wurde, Amulette herzustellen oder zu verkaufen. Im Jahr 721 ächtete die Kirche das Tragen von Amuletten. Mit der Verbreitung der Wissenschaft der Astrologie durch die Mauren wuchs auch die Beliebtheit astrologischer Amulette bzw. Talismane.
Sagen
Sage, Sammelbezeichnung für mündlich tradierte Erzählungen, deren Anspruch auf Wahrheit größer als beim Märchen ist. Die schriftliche Aufzeichnung erfolgte meist erst sehr spät: Die mündliche Tradierung bewirkte eine ständige Umgestaltung und Umdeutung des Sagenstoffes. Sagen knüpfen stets an realen Gegebenheiten an, gestalten diese phantasievoll aus und steigern sie zumeist ins Wunderbar-Phantastische. Die heutige Verwendung des Begriffs Sage als Bezeichnung für eine Erzählung von Begebenheiten, die historisch nicht bezeugt sind, setzt die Sage mit Fiktion gleich.
Natursagen befassen sich mit unerklärbaren, Angst einflößenden Naturereignissen. Dämonische Sagen handeln von Hexen, Zauberern und Wiedergängern. Glaubenssagen beschäftigen sich mit der jenseitigen Welt. Historische Sagen thematisieren Gestalten und Ereignisse der Vergangenheit. Heldensagen ranken sich um außerordentliche Personen. Die Erforschung der Sagen als bedeutendes kulturhistorisches Zeugnis gehört zum Aufgabenbereich der Volkskunde.
Walpurga
Walburga, heilige (um 710 bis 777), angelsächsische Missionarin, geboren in Wessex. Sie war die Tochter des heiligen Richard von England und die Schwester des heiligen Willibald, der wie sie selbst Missionar war. Um 748 wurde sie vom heiligen Bonifatius nach Deutschland berufen und im Jahr 761 zur Äbtissin des Benediktinerklosters in Heidenheim ernannt. Ihr Namenstag wird am 25. Februar oder auch am 1. Mai gefeiert. Walburga wurde als Beschützerin vor Zauberei und Hexerei angerufen. Die als Walpurgisnacht bekannte Nacht vor dem 1. Mai war früher das heidnische Fest des Sommeranfangs. Das Fest wurde mit Hexerei in Verbindung gebracht. Dem Volksglauben nach versammelten sich die Hexen während der Walpurgisnacht und feierten ihre Zusammenkunft mit dem Teufel. Ein tatsächlicher Zusammenhang zwischen der heiligen Walburga und der Walpurgisnacht ist nicht bezeugt.
Geister
Geist (Märchen), allgemein und im Volksaberglauben ein nichtkörperliches Wesen. Als Figurenstereotyp in Märchen und Sagen entwickelt er als ein Bild für den Umgang mit dem Übernatürlichen und den unerklärlichen Bereichen der menschlichen Existenz erzählpsychologische Funktion. Im Gegensatz zum fast immer negativ besetzten Gespenst sind die Geister in ihrer Wirkungs- und Erscheinungsform vielfältiger und können als Träger bedeutungsvoller Symbolegehalte auftreten. Ihr Phänotypus bindet sich häufig an die Natur und ihre Elemente an, so kennt die Literatur Feuer-, Luft-, Erd- und Wassergeister sowie Tier-, Baum- und Berggeister etc. Sie sind von unbestimmter, oft unheimlicher Macht, können ihr Aussehen wechseln und besitzen oft einen eigenen Namen (siehe Rübezahl). Spukgeister wie Polter- oder Klopfgeister sind meist nur einfache Schreckgestalten. Geister sind aus allen Weltreligionen und Kulturbereichen bekannt. So spielen in zahlreichen Religionen Toten- und Ahnengeister eine Rolle (siehe Ahnenkult); eine Nachwirkung hiervon sind spiritistische Geisterbeschwörungen (siehe Okkultismus). Aus der Antike ist der Glaube an Hausgeister überliefert. In der arabischen Erzählungssammlung Tausendundeine Nacht gibt es Scharen von guten oder bösen Geistern, die entweder von sich aus oder vom Menschen herbeigerufen wirksam werden (Dschinn, Flaschengeist).
Gespenst
Gespenst, (von mittelhochdeutsch gispensti: Verlockung, Täuschung), in Volksaberglaube, Märchen, Sage und Kunstmärchen das dem Geist ähnliche Figurenstereotyp eines nichtkörperlichen Wesens. Anders als Letzterer aber ist die Vorstellung des Gespenstes inhaltlich präziser fassbar. Meist handelt es sich um die gruselige Erscheinung eines ruhelosen Verstorbenen, vor allem zur so genannten Geisterstunde um Mitternacht; er ist zumeist in ein weites, weißes Gewand gehüllt oder in jene Kleidung, die seine Stellung oder seinen Stand im Leben repräsentierte. Schon in der Bibel finden sich zahlreiche Hinweise auf Gespenster, auch die Literatur der Antike kennt Seelen, die im Hades keine Ruhe finden und an ihrer Grabstätte umgehen müssen. Gespenstergeschichten wurden in Deutschland im 18. Jahrhundert und in der so genannten Schauerromantik Mode (siehe Schauerroman). Ein früher Vorläufer, der bis in diese Zeit hinein rezipiert wurde, war Erasmus Francisci mit seiner Sammlung Höllischer Proteus (Nürnberg 1690). Hauptvertreter der Schauerromantik sind Ignaz Ferdinand Arnold mit seinen Gespensterromanen sowie Friedrich Laun und Johann August Apel mit ihrem vierbändigen Gespensterbuch (Leipzig 1810-1812). In der beliebten Gattung der Gespensterkomödie war der Altwiener Volksdramatiker Karl Meisl führend (Das Gespenst auf der Bastei, 1819). Eines der berühmtesten Gespenster der Weltliteratur schuf Oscar Wilde mit The Canterville Ghost (1887, Das Gespenst von Canterville). Die Gespenstschrecken erhielten ihren Namen aufgrund ihrer bizarren Gestalt.
1001 Nacht
Tausendundeine Nacht, Sammlung von Erzählungen aus Persien, Arabien, Indien und Ägypten, die über hunderte von Jahren zusammengestellt wurde. Die meisten Geschichten basieren auf Volkssagen, Anekdoten oder Fabeln. Dazu gehören u. a. Ali Baba und die 40 Räuber, Aladin und die Wunderlampe und Sindbad der Seefahrer. Auch die Gestalt des Luftgeistes Jinni taucht hier auf. Die 300 Erzählungen der Sammlung gelten im deutschen Sprachraum aufgrund von Glättungen und Kürzungen fälschlicherweise als Kindermärchen. Im Original sind sie reich an philosophischen Reflexionen, erotischen Szenen und sexuellen Anspielungen. Die früheste Aufzeichnung von Tausendundeiner Nacht ist ein Fragment, das auf den Beginn des 9. Jahrhunderts datiert wird. Die Sammlung wuchs über die folgenden Jahrhunderte, bis sie im ausgehenden 15. Jahrhundert in arabischer Sprache aufgeschrieben wurde. Der Orientalist Antoine Galland übersetzte sie zwischen 1704 und 1717 ins Französische und nannte sie Les mille et une nuits. E. Littmann übertrug das Original ins Deutsche (1921-1928). Die Geschichten haben sich neben ihrem Unterhaltungswert auch als wertvolle Informationsquelle für orientalistische Studien über das Leben am Hof Harun ar-Raschids erwiesen, an dem sie spielen.
Einer Rahmenhandlung vermutlich indischen Ursprungs gemäß werden die Märchen aus Tausendundeiner Nacht von der sagenumwobenen Königin Scheherezade erzählt, die auf Befehl ihres zukünftigen Gatten, des Sultans Schahriar, den sie betrogen haben soll, hingerichtet werden soll. Er ist so aufgebracht, dass er beschließt, jede Nacht eine neue Frau zu heiraten, um sie bei Tagesanbruch töten zu lassen. Scheherezade willigt trotz dieses Erlasses ein, Schahriar zu heiraten, und ersinnt eine List, um seine Pläne zu durchkreuzen. Sie erzählt ihrer Schwester in der Nacht nach der Hochzeit eine der Geschichten und achtet darauf, dass der Sultan sie hören kann. Allerdings hört sie auf, bevor die Geschichte zu ihrer Auflösung gelangt, und der Sultan lässt sie einen weiteren Tag leben, um das Ende der Geschichte zu hören. So verfährt sie Nacht für Nacht. Nach 1 001 Nächten gibt der Sultan nach und beschließt, Scheherezade am Leben zu lassen.
Zu den bedeutendsten Illustratoren von Tausendundeiner Nacht gehört Marc Chagall. Eine zentrale Rolle spielt die Figur der Scheherezade auch im Zusammenhang mit poetologischen Überlegungen in Marcel Prousts Romanzyklus A la récherche du temps perdu.
Zwerg
Zwerg (Märchen), kleinwüchsiges, anthropomorphes Wesen in Volksaberglaube, Sage und Märchen, das der symbolischen Deutung unerklärlicher Realitätserfahrungen dient. Das Aussehen der Zwerge wird als hässlich oder uralt beschrieben. Meist leben sie im Kollektiv unter der Erde, üben handwerkliche Tätigkeiten aus (Schmiede, Bergleute), können sich unsichtbar machen (Tarnkappe) und verhalten sich den Menschen gegenüber hilfreich und gutmütig; werden sie beleidigt, sind sie zu Hinterlist und Tücke fähig. Die Zwergenvorstellung hat ihre Wurzel im heidnischen Totenglauben: Der Handlungsort von Zwergensagen liegt oft an frühgeschichtlichen Siedlungs- und Begräbnisstätten. In der nordischen Mythologie, namentlich der Edda, entstehen die Zwerge aus Ymirs Fleisch und müssen den Göttern die Werkzeuge schmieden, die sie zur Weltherrschaft benötigen. Noch früher als in der Volkssage, wo das Zwergenmotiv oft mit anderen Figuren mythologischen Ursprungs (Dämonen, Kobolde, Geister) vermischt und das unheimliche Wesen der Zwerge meist verharmlost wird, finden sich Zwerge in der germanischen Heldendichtung (Nibelungenlied, Orendel, Dietrichsage); dort tragen sie Namen wie Alban, Alberich, Goldemar, Laurin, Gübin und Heiling. Berühmte Märchen bzw. Kunstmärchen mit Zwergen sind Zwerg Nase von Wilhelm Hauff und Schneewittchen und die sieben Zwerge von den Brüdern Grimm.
Mythologie
Mythologie, die Gesamtheit der überlieferten Mythen einer bestimmten Kultur sowie deren wissenschaftliche Darstellung und Erforschung. Der Mythos ist eine Erzählung mit einem religös-weltanschaulichen Gehalt, im Allgemeinen eine Legende, die den Ursprung der grundlegenden Umstände und Voraussetzungen einer Kultur allegorisch beschreibt und schildert. So kann eine mythische Erzählung vom Anfang der Welt, von der Schöpfung der Menschen und Tiere und der Entstehung bestimmter Bräuche, Gebärden oder Formen menschlicher Aktivitäten handeln. Fast alle Kulturen besitzen oder besaßen Mythen und erklären ihre Welt u. a. in mythischen Kategorien.
Mythen unterscheiden sich von Märchen (siehe Volksdichtung) darin, dass sie in einer Zeit vor der Zeit angesiedelt sind, d. h. vor der Entstehung der Welt. Auch der Ort ihrer Handlung ist deshalb ein anderer als die uns bekannte Welt, er ist die Welt vor der Welt. Weil in Mythen die handelnden Personen Götter sowie andere übernatürliche Geschöpfe sind, wird der Mythos gewöhnlich als Aspekt der Religion betrachtet. Doch er ist weit mehr aufgrund seines allumfassenden Charakters kann er viele Aspekte im Leben des Einzelnen und einer Gesellschaft erhellen.
Bedeutung und Interpretation
Seit den frühen Tagen der Philosophie ist die Bedeutung des Mythos Gegenstand ausgesprochen kontroverser Interpretationen. Philosophen lesen bis in die heutige Zeit Mythen als Ausdruck anderer Wahrheiten.
Mythos, Geschichte und Vernunft
Das Verhältnis zwischen dem Mythos (oder der Mythe) und der Vernunft (oder dem Logos) ist seit jeher gespannt. So priesen schon die griechischen Philosophen Xenophanes, Platon und Aristoteles die Vernunft und übten scharfe Kritik an dem Mythos, der als Methode, die Wirklichkeit zu erkennen, ungeeignet sei.
In der jüdisch-christlichen Tradition wurde der Mythos mit dem Begriff der Geschichte konfrontiert. Als komplizierend erwies sich jedoch dabei, dass der Gott der Juden und der Christen sich den Menschen in ihrer Geschichte und Gesellschaft offenbart hatte, trotz seiner Existenz außerhalb der gewöhnlichen Zeit und des gewöhnlichen Raumes.
Die Unterscheidung zwischen Vernunft und Mythos sowie zwischen Mythos und Geschichte war zwar grundlegend, aber niemals absolut. Aristoteles war der Auffassung, dass sich in einigen der frühgriechischen Schöpfungsmythen Logos und Mythos überschneiden. Platon verwendete Mythen als Allegorie und auch als literarischen Kunstgriff bei der Ausarbeitung eines Arguments. Mythos, Logos und Geschichte greifen auch in der Einleitung zum Johannesevangelium im Neuen Testament ineinander; hier wird Jesus Christus als Verkörperung des Logos dargestellt, der aus der Ewigkeit in die historische Zeit eintritt. Frühchristliche Theologen disputierten in ihren Deutungsversuchen der christlichen Offenbarung über die Rollen von Mythos und Geschichte in der biblischen Darstellung.
Mythen als kulturelles Erbe und Gegenstand der Forschung
Zum Erbe der westlichen Kultur gehört seit ihren frühesten Überlieferungen neben ihren vielgestaltigen Mythen auch die Auseinandersetzung darüber, ob der Mythos, die Vernunft oder die Geschichte die Bedeutung der Wirklichkeit von Göttern, Menschen und Natur am besten zum Ausdruck bringe. Aus dem reichhaltigen mythologischen Fundus der westlichen Kulturen haben die Mythen der Griechen eine herausragende Bedeutung. Sie inspirierten nicht zuletzt durch die Adaptionen der Römer (siehe römische Mythologie) Künstler und Philosophen späterer Epochen wie Renaissance und Romantik zu immer neuen Werken über die mythischen Stoffe. Auch von den heidnischen Kulturen aus dem Norden Europas ist eine sehr reichhaltige Mythenwelt überliefert, die vielfach verfremdet in den folkloristischen Elementen der Kulturen fortlebt.
Die romantische Bewegung wandte sich den älteren indogermanischen Mythen zu. Romantische Gelehrte sahen im Mythos eine nicht zu hinterfragende essentielle Form des menschlichen Ausdrucks: Für sie besaß der Mythos als Denk- und Wahrnehmungsweise eine Geltung, die dem rationalen Verständnis der Wirklichkeit gleichwertig oder manchmal sogar überlegen war. Im Westen gehörten Mythen schon immer zur klassischen und theologischen Bildung, aber in und nach der Aufklärung wuchs das Interesse an einer wissenschaftlichen Erkundung des Mythos vor allem in Ethnologie, Geschichte, Psychologie, Religionsgeschichte und in den Politikwissenschaften.
Formen des Mythos
Mythen können nach ihren Inhalten, ihren thematischen Schwerpunkten eingeteilt werden. Allerdings besteht dabei die Gefahr, der je historisch konkreten Entstehungsgeschichte eines Mythos nicht genügend Bedeutung zuzumessen, Mythen, im Bestreben sie in ein universelles, weltumspannendes Muster einzupassen, fehlzuinterpretieren.
Kosmogonien und Eschatologien
Gewöhnlich der wichtigste Mythos in einer Kultur, der zum vorbildhaften Muster für alle weiteren Mythen wird, ist die Kosmogonie; sie schildert die Entstehung der Welt. In einigen Darstellungen, wie im ersten Kapitel der Genesis, wird die Welt aus dem Nichts erschaffen (creatio ex nihilo). Auch ägyptische, australische und griechische Mythen sowie die Mythen der Maya berichten von einer Schöpfung aus dem Nichts. In den meisten Fällen ist die Gottheit in diesen Mythen allmächtig. Häufig wird sie zum Zentrum des religiösen Lebens, wie bei den Juden, oder sie kann sich zurückziehen und im Hintergrund verharren, wie in den Mythen der Aborigines, der Griechen und der Maya.
Andere Kosmogonien beschreiben die Schöpfung der Erde als einen Aufstieg aus Unterwelten. Bei den Navajo und Hopi z. B. ist die Schöpfung das Ergebnis einer nach oben führenden Fortbewegung aus den Unterwelten, und das Auftauchen aus der letzten Unterwelt ist auch die letzte Fortbewegung in die Welt der Menschen. Ein polynesischer Mythos verlegt die verschiedenen Stufen des Auftauchens in eine Kokosnussschale. In der Form ähnlich sind Mythen, die von einem Weltenei handeln. Solche Mythen sind aus Afrika, China, Indien, Griechenland, Japan und im Südpazifik bekannt. In diesen Mythen wird die Schöpfung sinnbildlich durch die Teilung eines fruchtbaren Eis dargestellt. Das Ei enthält im Keim alles Leben. In dem Mythos der westafrikanischen Dogon wird es als die Plazenta der Welt bezeichnet.
Eine andere Form der Kosmogonie ist der Welteltern-Mythos. In der babylonischen Schöpfungsgeschichte Enuma elish erzeugen die Welteltern Apsu und Tiamat Kinder, die sich später ihren Eltern widersetzen und sie in einer Schlacht besiegen; aus dem geopferten Leib der Tiamat wird die Welt erschaffen. In anderen Welteltern-Mythen der Ägypter, Zuñi und Polynesier verharren die Eltern nach der Zeugung in einer engen Umarmung, so dass die Kinder in Finsternis leben; in ihrem Wunsch nach Licht trennen sie die Eltern gewaltsam und schaffen so Raum für die Götter, um eine Welt der Menschen zu gestalten.
In weit verbreiteten Mythen bei den sibirisch-altaischen Völkern, in Rumänien und Indien, geschieht die Schöpfung mit Hilfe eines irdischen Tauchers; ein Tier (Schildkröte oder Vogel) taucht in das Urmeer und bringt etwas Schlamm nach oben, aus dem später die Welt hervorgeht.
Ein Motiv, das in verschiedenen Kosmogonien wiederkehrt, ist der Akt des Opfers. Wie im babylonischen Mythos aus Tiamats geopfertem Körper die Erde entsteht, geht in einem hinduistischen Mythos, von dem die Rigveda berichtet, die Welt aus einem Opfer durch die Götter hervor.
So wie die Kosmogonien vom Anfang der Welt künden, handeln die Eschatologien vom Weltenende. Sie haben die Schöpfung der Welt durch ein moralisches göttliches Wesen zur Voraussetzung, welches schließlich die Welt zerstört. Zu der Zeit werden die Menschen gerichtet und auf eine paradiesische Existenz oder aber ewige Qualen vorbereitet. Solche Mythen sind bei den Juden, Christen, Muslimen und Zoroastriern zu finden.
Ein Weltenbrand und die letzte Schlacht der Götter sind Teil der indogermanischen Mythologie. In der aztekischen Mythologie erschaffen und vernichten die Götter mehrere Welten, bevor sie die Welt der Menschen einrichten.
Auch der Ursprung des Todes ist Gegenstand zahlreicher Mythen. In diesen Mythen war die Welt lange Zeit ohne Tod. Erst als die Botschaft der Götter in Vergessenheit gerät, tritt er in die Welt. In der Genesis zieht der Tod in die Welt ein, als die Menschen die ihnen von Gott gezogenen Grenzen ihres Wissens überschreiten.
Mythen von Kulturheroen
Andere Mythen erzählen von den Taten und vom Charakter der Wesen, denen die Entdeckung eines bestimmten kulturellen Artefakts oder eine entscheidende technologische Errungenschaft zugeschrieben wird. Dies sind Mythen von Kulturheroen. In der griechischen Mythologie ist Prometheus, der den Göttern das Feuer stahl, ein Prototyp des Kulturheros. In der Dogon-Kultur weist der Schmied, der für die menschliche Gemeinschaft Samen aus der Kornkammer der Götter stiehlt, Ähnlichkeit mit Prometheus auf.
Mythen von Geburt und Wiedergeburt
Gewöhnlich mit Initiationsriten verwandt, erzählen Mythen von Geburt und Wiedergeburt, wie man das Leben erneuern, die Zeit ändern oder Menschen in neue Geschöpfe verwandeln kann.
In Mythen von der Heraufkunft einer idealen Gesellschaft (chiliastische Mythen) oder eines Erlösers (Soteriologien) werden eschatologische Themen mit Themen der Wiedergeburt und Erneuerung vereint. Chiliastische und soteriologische Mythen sind sowohl in den traditionellen Kulturen Afrikas, Südamerikas und Melanesiens als auch in den drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam zu finden.
Gründungsmythen
Seit den Anfängen der Städte zwischen dem 4. oder 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung berichten verschiedene Mythen von Stadtgründungen. Städte wurden bei zeremoniellen Zentren errichtet, die als Manifestationen einer geheiligten Kraft galten (siehe Delphi). Die Manifestation ermöglichte die Äußerung dieser Kraft an einem bestimmten Ort, wobei der Wert der Sesshaftigkeit hervorgehoben wurde. Das babylonische Gilgamesch-Epos und die römische Legende von Romulus und Remus sind solche Gründungsmythen.
Erforschung des Mythos
Die Mythologie hat das Interesse der Gelehrten aus den verschiedensten Fachrichtungen auf sich gezogen. Manche untersuchen Mythen mit Hilfe von Material aus der Geschichte, Archäologie, Ethnologie und anderen Disziplinen. Andere benutzen die Mythen selbst als Material für ihre Forschungen, wie die Linguistik und die Psychologie.
Mythos und Sprache
Der berühmteste Verfechter des Mythos als Beispiel für die historische Sprachentwicklung ist Friedrich Max Müller. In seinen wichtigsten Studien beschäftigte er sich mit der Religion und den Mythen Indiens. Müller war der Auffassung, dass die Götter und ihre Taten in den vedischen Schriften des alten Indiens keine wirklichen Wesen oder Geschehnisse darstellen sollen, sondern als Ausdruck des Versuches verstanden werden müssten, den Naturerscheinungen (wie Donner oder Blitz) bildhaft Ausdruck zu verleihen.
Neueren Datums ist das strukturalistisch-linguistische Modell, das auf dem Werk der Linguisten Ferdinand de Saussure und Roman Jakobson, sowie des amerikanischen Volkskundlers S. Thompson aufbaut. Strukturalistische Linguisten konzentrieren sich auf die Gesamtbedeutung der Sprache als einem internen logischen System. Insbesondere untersuchen sie die Beziehung von zwei Sprachebenen: die tatsächlich gesprochenen Wörter und ihr Inhalt sowie die zugrunde liegende systematische Struktur (Grammatik, Syntax und andere Sprachregeln).
Der bedeutendste Mythenforscher auf diesem Gebiet ist der französische Ethnologe Claude Lévi-Strauss. Für ihn stellen Mythen einen Sonderfall des Sprachgebrauchs dar, eine dritte Ebene außer der narrativ vermittelten Oberflächen- und der zugrunde liegenden Tiefenstruktur. In Mythen entdeckte er bestimmte Gruppen von Beziehungen, die, obwohl sie im erzählenden und dramatischen Inhalt ausgedrückt waren, der systematischen Ordnung der Sprachstruktur folgten. Daraus folgerte er, dass allen Sprachen und Kulturen dieselbe logische Form gemeinsam ist, in wissenschaftlichen Werken und traditionellen Mythen gleichermaßen. Siehe Semantik.
Mythos und Wissen
Theorien, die anführen, dass der Mythos eine Form und Weise von Wissen darstellt, sind so alt wie die Mythendeutungen selbst. Die Überschneidung von mythischen und rationalen Methoden wurde bereits von den klassischen griechischen Philosophen herausgearbeitet; und auch der Kirchenvater Origenes aus dem 3. Jahrhundert betonte, dass die göttliche Offenbarung in Jesus am besten in mythischen Kategorien verstanden werden könne.
In Darstellungen über die Beziehung von Mythos und Wissen sind zwei Hauptrichtungen auszumachen. Zum einen wird der Mythos in intellektueller und logischer Hinsicht untersucht und zum anderen in seiner phantasiereichen, intuitiven Bedeutung als Wahrnehmungsform, die entweder von dem in rationalen, logischen Kategorien zu fassenden Wissen unterscheidbar ist oder diesem in der Evolution des Geistes vorausging.
Der britische Ethnologe Edward Burnett Tylor vertrat die Auffassung, dass Mythen in archaischen Kulturen auf einer psychologischen Täuschung und irrigen logischen Schlussfolgerung basieren auf einer Verwechslung der subjektiven und objektiven Wirklichkeit, des Realen und des Idealen.
Der französische Linguist Maurice Leenhardt erklärte den Mythos in erster Linie als eine Ausdrucksform der Lebenserfahrung der Gemeinschaft. Leenhardt, der einen großen Teil seines Lebens bei den Melanesiern verbrachte, beobachtete, dass diese auf die Gegebenheiten ihrer Umwelt passiv reagierten. Sie strebten nicht danach, ihre Umwelt begrifflich oder technologisch zu dominieren, sondern versuchten, sich in sie einzufügen. Für diese Haltung prägte er den Begriff kosmographisch und führte die Mythen der Melanesier auf ihre kosmographische Erfahrung von der Welt zurück.
Nach Ansicht des französischen Philosophen Lucien Lévy-Bruhl erfahren die Menschen in archaischen Kulturen die Welt ohne den Nutzen logischer Kategorien, sie gewinnen ihr Weltwissen durch mystische Teilnahme an der Wirklichkeit und verleihen ihm Ausdruck im Mythos.
Der schottische Geisteswissenschaftler Andrew Lang und der deutsche Ethnologe Pater Wilhelm Schmidt aus dem 19. Jahrhundert stellten in der ethnographischen Literatur das häufige Auftreten eines Hochgottes fest; diese Gottheit schuf die Welt und distanzierte sich dann von ihr. Sie stellten einen Unterschied in den Mythen zwischen dieser Art Gottheit und den anderen Gottheiten und Geistern fest. Daraus folgerten sie, dass diese Vorstellung von einem Schöpfer ihren Ursprung in einer metaphysischen und intellektuellen Betrachtungsweise hat und nicht in einer geistigen Evolution vom Prälogischen zum Rationalen.
Eine umfassende Deutung des Mythos als gleichzeitig rational-logisch und intuitiv-phantasiereich lieferte der in Rumänien geborene Religionshistoriker Mircea Eliade. Nach Eliade offenbart der Mythos eine primitive Ontologie, eine Erklärung für das Wesen des Seins. Der Mythos drückt durch Symbole ein vollständiges und zusammenhängendes Wissen aus; obwohl Mythen im Laufe der Jahrhunderte möglicherweise bagatellisiert und verfälscht wurden, kann der Mensch mit ihrer Hilfe zum Anfang der Zeit zurückkehren, sein eigenes Wesen wieder entdecken und neu erleben.
Mythos und Gesellschaft
Ein philosophisches und spekulatives Verständnis des Mythos, wie es der italienische Philosoph Giovanni Battista Vico zeigte, warf die Frage der Wechselbeziehung von Mythos und Gesellschaft auf. In Prinzipien einer neuen Wissenschaft über die gemeinsame Natur der Völker (1725; endgültige Ausgabe, 1744) formulierte Vico eine Vierstufentheorie der Entwicklung des Mythos und der Religion in Griechenland. Auf der ersten Stufe wurde die Natur vergöttlicht: Aus Donner und Himmel wurde Zeus und aus dem Meer Poseidon. Auf der zweiten Stufe traten Götter auf, die in Verbindung mit der Zähmung und Beherrschung der Natur standen: der Feuergott Hephäst (Hephästus), die Getreidegöttin Demeter. In der dritten Stufe verkörperten die Götter bürgerliche Einrichtungen und Parteien: Hera zum Beispiel ist die Einrichtung der Ehe. Die vierte Stufe drückt sich durch die völlige Vermenschlichung der Götter aus, wie in der Darstellung Homers.
Der französische Soziologe Émile Durkheim bezog sich bei seinen Untersuchungen über die Beziehung von Mythos und Gesellschaft auf Unterlagen über die Kulturen der Aborigines. Durkheim verwarf die Vorstellung, dass der Mythos aus außergewöhnlichen Naturerscheinungen hervorgeht. Die Natur war für ihn ein Modell der Ordnung und folglich voraussagbar wie alles Gewöhnliche. Er kam zu dem Schluss, dass Mythen als Reaktion des Menschen auf seine gesellschaftliche Existenz entstehen. Sie drücken die Weise aus, in der die Gesellschaft die Menschen und die Welt repräsentiert, und sie bilden ein moralisches System, eine Kosmologie sowie eine Geschichte. Mythen und die Rituale, welche aus ihnen entstehen, erhalten und erneuern die moralischen und anderen Überzeugungen, bewahren sie vor dem Vergessen und stärken die Menschen in ihrem gesellschaftlichen Wesen.
Der britische, in Polen geborene Ethnologe Bronislaw Malinowski entwickelte diese soziologische Mythosvorstellung weiter. Für Malinowski erfüllt der Mythos in traditionellen Gesellschaften eine unerlässliche Funktion: Er drückt den Glauben aus, stärkt und kodifiziert ihn. Er setzt und schützt moralische Prinzipien und enthält praktische Regeln zur Orientierung des Einzelnen in diesen Kulturen.
Die soziologische Bedeutung des Mythos ist unter Ethnologen unbestritten. Dies impliziert jedoch nicht, dass der Mythos als eine Funktion der menschlichen Gesellschaft verstanden wird. Vielmehr bestehen Mythos und Gesellschaft nebeneinander; die soziopolitische Ordnung kann als eine ungenaue Widerspiegelung der gesellschaftlichen oder kosmischen Ordnung gesehen werden, wie sie in Mythen zu finden ist, und die Mythen erklären die gesellschaftliche Ordnung für legitim.
Der französische Linguist Georges Dumézil, der umfassende Forschungen über indogermanische Mythen in Kulturen wie der indischen, griechischen, römischen, germanischen und skandinavischen betrieb, stellte in diesen Mythen eine gemeinsame kosmosoziologische Struktur fest. In allen Formen des indogermanischen Mythos fand er eine dreiteilige hierarchische Struktur; diese bestand aus einem Priester oder Herrscher an der Spitze, Kriegern in der Mitte und Bauern, Hirten und Handwerkern als Basis. Diese Klassen entsprechen kosmischen Gottheiten; und in der erzählenden Form des Epos werden die Wechselbeziehungen, Feindschaften und Konflikte unter den drei Klassen dramatisiert. Dumézil behauptet nicht, dass alle indogermanischen Gesellschaften diese Gesellschaftsstruktur wirklich besitzen, sondern vielmehr, dass diese Struktur als archetypische Sprache für die Darstellung von idealen Bedeutungen innerhalb der indogermanischen Kulturen wirksam sei.
Der deutsche Philosoph Ernst Cassirer führte die Vorstellung von den geistig-logischen und intuitiv-phantasievollen Aspekten des Mythos in seiner Darstellung der Bedeutung des Mythos und der gesellschaftlichen Gruppe weiter. Er schloss sich der Meinung an, dass der Mythos aus den Emotionen hervorgeht. Aber er hob hervor, dass der Mythos mit der Emotion, aus der er entsteht, nicht identisch ist, sondern der Ausdruck (die Objektivierung) der Emotion. In diesem Ausdruck oder dieser Objektivierung erhalten die Identität und die grundlegenden Werte der Gruppe eine absolute Bedeutung. Cassirer vertrat die Auffassung, dass der Mythos und die mythischen Denkarten eine mächtige Grundlage in den wissenschaftlichen, technologischen Kulturen des Westens bilden.
Mythos und Psychologie
Mythen sind ein unerschöpflicher Fundus für die (tiefen)psychologische Forschung. So veranschaulicht etwa Sigmund Freud an Beispielen aus der mythologischen Überlieferung seine Konflikt- und Triebtheorie, in deren Zentrum der Ödipus- bzw. Elektrakomplex steht. Auch Carl Gustav Jung entwickelte seine Theorie von einem kollektiven Unbewussten aus der Untersuchung einer Vielzahl von Mythen. Jung wie auch Freud zufolge äußern sich im Traum, der eine Vielzahl struktureller Gemeinsamkeiten mit mythischen Erzählungen aufweist, die Triebkräfte des Unbewussten.
Eine sehr umfassende Untersuchung des Mythos aus Sicht der Jungschen Tiefenpsychologie unternahm Joseph Campbell, der in Die Masken Gottes (4 Bde., 1959-1967) versucht, eine allgemeine Theorie über den Ursprung, die Entwicklung und die Einheitlichkeit aller menschlichen Kulturen zu formulieren.
Edda
Edda, zwei berühmte Werke der altisländischen Literatur. Die Herkunft des Wortes Edda ist umstritten. Möglicherweise leitet es sich aus dem altnordischen Wort edda (Urgroßmutter) her. Wahrscheinlicher ist, daß es sich auf Oddi bezieht, ein kulturelles Zentrum in Südisland. In Oddi lebten Sæmund Sigfússon, ein Geistlicher, von dem man früher annahm, er habe die Lieder-Edda zusammengestellt, und Snorri Sturluson, der Autor der Snorra-Edda. Möglich ist auch, daß der Begriff aus dem altnordischen Wort óthr (Dichtung, Poetik) abgeleitet ist.
Bei der vermutlich älteren, der poetischen oder Lieder-Edda (wohl 9. bis 12. Jahrhundert), handelt es sich um eine Sammlung von mehr als 30 Liedern, die sich mit den skandinavischen und germanischen Göttern und Helden sowie mit Gnomen beschäftigen, aber auch Visionen beinhalten und der Wissensvermittlung dienen. Erwähnt sei hier Sigurd, das isländische Gegenstück zur germanischen Figur des Siegfried, von der etwa das Nibelungenlied berichtet. Einige dieser Lieder sind wohl außerhalb Islands entstanden, wurden aber dort im 12. Jahrhundert erstmals niedergeschrieben und sind nur in einer einzigen Handschrift aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, dem so genannten Codex Regius, erhalten.
Die jüngere, die Prosa- oder Snorra-Edda, wurde von Snorri Sturluson zwischen 1220 und 1230 verfasst. Sie diente der Unterweisung junger Skalden (Barden und Hofdichter) in der Verwendung bestimmter Formulierungen, Versarten bzw. Umschreibungen und beinhaltet Geschichten aus der skandinavischen Mythologie, als deren wichtigste Quelle sie gilt. Auch ist sie ein Lobpreis Snorris auf den norwegischen König Håkon Håkonsson den Alten; er besteht aus 102 mit Kommentaren versehenen Musterstrophen für das gesamte Spektrum skaldischer Metren.
DämonischenDämon, übernatürliches, jedoch nicht göttliches Geschöpf, auch Geist oder Kraft, mit der Fähigkeit, das Leben von Menschen meist negativ zu beeinflussen. Die meisten Religionen halten Dämonen für reale Wesen. Die Lehre von den Dämonen heißt Dämonologie. Der Exorzismus, eine Methode, um Dämonen auszutreiben, die von Menschen oder Orten Besitz ergriffen haben, wird in vielen Religionen praktiziert.
Viele frühzeitliche Völker glaubten, dass Naturkräfte die Personifikation von Dämonen wären. Auch waren böse Geister oder Dämonen oft Geister von Vorfahren, die einen negativen Einfluss auf die Lebenden ausübten. Gesellschaften, die einen Ahnenkult betrieben, versuchten durch magische Rituale gute als auch böse Geister zu beschwören. Einige alte Kulturen in Ägypten und Babylonien (heute Irak), glaubten, dass Dämonen bestimmte Krankheiten verursachten.
Geister und dämonische Wesen spielen auch im Hinduismus eine besondere Rolle. In den um 1000 v. Chr. verfassten Veden werden eine Vielzahl böser Geschöpfe wie die Asuras und die Panis beschrieben, die den Menschen Schaden zufügen und die hinduistischen Götter bekämpfen. Das Wort Dämon leitet sich von dem altgriechischen Begriff daimon her, der sich auf Geschöpfe bezieht, die aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten zwischen den Menschen und den Göttern stehen. Diese Fähigkeiten dienen dazu, das Leben der Menschen zu verbessern oder die von den Göttern verhängten Strafen zu vollziehen.
Christliche Vorstellungen von Dämonen gehen zum Teil auf böse Wesen oder unreine Geister im Alten Testament zurück. Im Mittelalter entwickelte die christliche Theologie eine Hierarchie von Engeln, wobei einige mit Gott in Verbindung gebracht und die gefallenen Engel oder Dämonen vom Satan geführt wurden. Satan selbst galt als der erste gefallene Engel. In den meisten englischen Bibelversionen wird der Begriff Dämon mit Teufel übersetzt, und im Neuen Testament wird ein Dämon mit einem bösen Geist gleichgesetzt.
Der Islam entwickelte ein komplexes System von Dämonen. Muslimische Schriften beschreiben eine Gruppe böser Geschöpfe, die so genannten Jinni. Diese rufen Zerstörung hervor und beherrschen unheilvolle Orte. Der erste Jinn hieß Iblis. Er wurde von Allah verstoßen, weil er dem Befehl nicht nachkam, Adam, den ersten Menschen, anzubeten.
Auch in volkstümlichen Erzählungen sind Dämonen überall auf der Welt anzutreffen. Viele dieser Dämonen haben besondere Eigenschaften. Vampire z. B. trinken das Blut ihrer lebenden Opfer. Die japanischen Oni sollen Stürme herbeiführen. In Schottland suchen Kelpies Teiche heim und warten darauf, unvorsichtige Reisende zu ertränken. Seit dem 17. Jahrhundert ist in Europa der Glaube an Dämonen und böse Geister zurückgegangen.
Jinni
Jinni, in der nahöstlichen und islamischen Folklore und Mythologie Geist oder Dämon, der einem Engel untergeordnet ist. Die Pluralform lautet Jinn und die weibliche Form Jinniyah. Die Jinn wurden aus Feuer oder Luft erschaffen und können sowohl Tier- als auch Menschengestalt annehmen. Sie können gut oder schlecht sein; die guten sind schön und die bösen hässlich. Sie existieren in der Luft, in einer Flamme, unter der Erde und in der unbelebten Natur wie Felsen, Bäume und Ruinen. In mancher Hinsicht ähneln sie den Menschen: Sie haben dieselben körperlichen Bedürfnisse, pflanzen ihre Art fort und sind sterblich, auch wenn ihre Lebenszeit länger ist. Jinn sind spitzbübische Geister, die sich daran erfreuen, Menschen, welche ihnen ein Unrecht zugefügt haben zu bestrafen, auch, wenn es unabsichtlich geschah. Demzufolge werden Unfälle und Krankheiten als ihr Werk angesehen. Mit dem richtigen Wissen jedoch können Menschen sich Jinn für ihre eigenen Zwecke dienstbar machen. Die in der Folklore Ägyptens, Syriens, Irans, Nordafrikas und der Türkei populären Jinn sind im Westen bekannt als Figuren aus Tausendundeine Nacht.
Kunstmärchen
Kunstmärchen, literarische Sonderform des Märchens, die im Gegensatz zum anonymen, zunächst mündlich tradierten und in zahlreichen Varianten existierenden Volksmärchen von einem bestimmten Autor verfasst wurde und in ihrer Textgestalt eindeutig fixiert ist. Kunstmärchen zeigen sich demnach von literarischen Strömungen und der Wirkungsabsicht des Autors beeinflusst: Sie können einen betont artifiziellen Charakter aufweisen oder den naiven Ton der Volksmärchen imitieren. Die strenge Unterscheidung zwischen Volks- und Kunstmärchen kam erst durch die Märchenforschung und -dichtung der Brüder Grimm zustande (Kinder- und Hausmärchen, 1812-1815); in ihrer Sammlung finden sich beide Gattungstypen nebeneinander.
Die Geschichte des deutschen Kunstmärchens beginnt mit Christoph Martin Wielands Versgeschichten und Feenmärchen in seinem Erstlingsroman Die Abentheuer des Don Sylvio von Rosalva (1764). Johann Wolfgang von Goethes Mährchen in den Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (1795) ist mit seinem unausschöpflichen Symbolgehalt ein erster Höhepunkt der Gattung und macht das Märchenhafte selbst zum Thema des Erzählens. Ludwig Tiecks epische Märchendichtungen, die Binnenmärchen in Novalis Heinrich von Ofterdingen, E. T. A. Hoffmanns Der goldene Topf (1814) und Clemens Brentanos Gockel, Hinkel und Gackeleia (1811-1838) sind mit ihrem allegorisch-philosophischen oder romantisch-naturhaften Ton (siehe Romantik) Erzählgut für Erwachsene. Insbesondere im 19. Jahrhundert war das Kunstmärchen eine gemeineuropäisch überaus beliebte Gattung und wurde u. a. von George Sand, Hans Christian Andersen und Oscar Wilde genutzt. Psychologisches Interesse weisen die Kunstmärchen der Jahrhundertwende auf, darunter Hugo von Hofmannsthals Das Märchen der 672. Nacht (1895). Auch Autoren des 20. Jahrhunderts bedienen sich des Kunstmärchens mit unterschiedlichster Intention, so Bertolt Brecht, Johannes Bobrowski und Peter Handke.
Riesen
Riesen (Märchen) (von althochdeutsch risi bzw. mittelhochdeutsch rise: starker, großer Mensch), in Volksaberglaube, Märchen, Sage und Kunstmärchen übergroße anthropomorphe Wesen, die als ein Bild für den Umgang mit dem Übernatürlichen oder scheinbar unerklärbaren Naturphänomenen erzählpsychologische Funktion entwickeln. Die Vorstellung ist uralt und aus allen Kulturen tradiert. So wird in mehreren Religionen der Schöpfungsmythos mit der Idee eines Ur-Riesen verbunden; in der nordischen Mythologie etwa ist dies Ymir, aus dessen Leib der Kosmos geschaffen wurde. Urweltliche Riesengeschlechter kennt neben der altnordischen Überlieferung (Thursen, Jöten) auch die Antike, so die Titanen, Kyklopen und Giganten. Literarische Ausgestaltungen sind Erzählungen von Riesen im Alten Testament (Og von Basan, Goliath), in antiken Epen (der Riese Polyphem in Homers Odyssee) oder in der mittelalterlichen Heldenepik (Dietrichepik, Goldemar).
Volkssagen mit Riesen sind zumeist Erklärungssagen, die Naturereignisse wie Stürme, Lawinen und Gewitter oder Naturbesonderheiten, z. B. die Herkunft großer Felsen, Krater oder Berge, mit der Tätigkeit von Riesen deuten (Watzmann, Rübezahl). Viele in lokalen Sagen namentlich überlieferte Riesen tragen Züge ehemaliger Gewalttäter oder Raufbolde, die in der mündlichen Überlieferung ins Legendenhafte übersteigert wurden, darunter der starke Hermel am Niederrhein, der große Christoph bei Goslar oder Essel bei Marburg. Als Spätform bildeten sich Sagen heraus, in denen die Gestalt des Riesen, dessen körperliche Kraft in Kontrast zu seinem geringen Verstand steht, ins Grotesk-Komische verzerrt erscheint.
Drachen
Drache (griech. drákon), echsenartiges Fabeltier in der abend- und morgenländischen Sage und Mythologie, das einem Krokodil ähnelt und zumeist als feuerspeiendes Ungetüm mit Flügeln, gewaltigen Krallen und dem Schwanz einer Schlange dargestellt wird. In den antiken Kulturen des Nahen Ostens steht der Drache als Symbol für die teuflischen Mächte der Zerstörung. Diese Vorstellung taucht beispielsweise in einem mesopotamischen Schöpfungsepos auf, das um 1100 v. Chr. entstand. Eine der Hauptfiguren der Legende ist die Göttin Tiamat, eine drachenähnliche Verkörperung der Weltmeere, die die Horden des Chaos anführte und deren Tötung Voraussetzung für ein geordnetes Universum war. Die alten Ägypter glaubten, dass Apophis, der Drache der Dunkelheit, allmorgendlich vom Sonnengott Ra besiegt wurde.
In den heiligen Schriften der Israeliten steht der Drache häufig für den Tod und das Böse. Das Christentum hat sich diese Vorstellung zu Eigen gemacht: Der Drache taucht in den wichtigsten apokalyptischen Schriften der Bibel (insbesondere in der Offenbarung des Johannes) auf und spielt auch in der späteren christlichen Tradition eine Rolle. Die christliche Kunst zeigt den Drachen als Sinnbild der Sünde. Wenn er auf Bildern von Heiligen oder Märtyrern getötet wird, so bedeutet dies den Sieg des christlichen Glaubens über die Sünde und damit über das Heidentum. Die Legende vom heiligen Georg und dem Drachen steht damit in direktem Zusammenhang.
In der klassischen Mythologie übernimmt der Drache die Funktion des Wächters. So bewacht etwa der Drache von Ladon die goldenen Äpfel in den Gärten der Hesperiden (ein Motiv, das in mittelalterlichen Ritterromanen erneut auftaucht, wenn ein Drache gefangene Jungfrauen bewacht). Griechen und Römer waren der Auffassung, dass der Drache die Geheimnisse der Erde kannte und diese an Sterbliche weitergab.
In den Sagen der heidnischen Stämme Nordeuropas finden sich sowohl gute als auch böse Drachen. Im Nibelungenlied tötet Siegfried einen Drachen und wird durch ein Bad in dessen Blut unverwundbar. Auch im Beowulf gibt es eine Schlüsselepisode, die den Kampf mit einem Drachen schildert. Die Wikinger schmückten den Bug ihrer Schiffe mit geschnitzten Drachendarstellungen. Die Eroberer der britischen Inseln hatten den Drachen auf ihren Wappen. Er galt ihnen als Symbol der Eigenständigkeit. Im 1. vorchristlichen Jahrhundert prangte er auf den Fahnen der Römer.
Asiatische Mythologie und der Drache
Insbesondere in Japan und China gilt der Drache als höchste spirituelle Macht, er bildet das älteste Emblem der dortigen Mythen und ist häufiges Motiv der Kunst dieser Länder. Der Drache steht für himmlische und weltliche Macht, aber auch für Weisheit und Kraft. Drachen leben im Wasser und bringen Gesundheit und Glück und sorgen für ausreichenden Regen, damit es eine gute Ernte wird. Bei den traditionellen Umzügen am chinesischen Neujahrstag soll der Drache die bösen Geister vertreiben, damit sie im neuen Jahr nicht ihr Unwesen treiben. Der Drache mit den fünf Klauen wurde zum Symbol des kaiserlichen China (der gemeine Drache hat nur vier).
In der hinduistischen Mythologie tötet Indra, der Gott des Himmels und Regenspender, Vitra, den Drachen des Wassers, um so Regen herbeizuführen.
Fabel
Fabel (von lateinisch fabula: Erzählung), im weiteren Sinn das Handlungsgerüst eines epischen oder dramatischen Werkes, also der stoffliche und thematische Grundplan, heute häufig auch mit dem englischen Begriff Story bezeichnet. Im engeren Sinn wird heute diejenige selbständige, kurze episch-didaktische Gattung in Prosa- oder Versform als Fabel bezeichnet, die eine allgemein gültige Lebensweisheit oder belehrende, sentenzhafte Weisheit vermittelt, die üblicherweise als Moral (Fachbezeichnung Epimythion) am Ende der Geschichte zusammengefasst wird. Themen der Fabel sind in der Regel Auseinandersetzungen zwischen Tieren, die mit meist stereotyp verwendeten menschlichen Charaktereigenschaften ausgestattet sind (der schlaue Fuchs, der mächtige Löwe etc.); seltener können die Handlungsträger auch Pflanzen oder Gegenstände aus der unbelebten Natur sein. Dabei wird der Vergleich in allen Einzelheiten ausgeführt, auch wenn die Umstände und Ereignisse nicht immer realistisch sind (sprechende Tiere), im Gegensatz etwa zur Parabel oder dem Gleichnis, wo die Ereignisse zwar in der erfahrbaren Realität angesiedelt sind, aber nicht in allen Vergleichspunkten übereinstimmen müssen.
Geschichte
Mündlich überlieferte Volksdichtungen, in deren Zentrum Tiere stehen, finden sich in zahlreichen Kulturen; die ältesten stammen aus Mesopotamien. Aber auch Hesiod bediente sich um 700 v. Chr. der Form. Eine der frühesten und bedeutendsten Sammlungen von Tierfabeln stammt von Äsop, wahrscheinlich ein freigelassener griechischer Sklave aus Thrakien, der im 6. Jahrhundert v. Chr. lebte. Äsop gab seine Fabeln nur mündlich weiter, und sie wurden auch noch lange auf diese Weise überliefert. Griechische und römische Schriftsteller, darunter Babrios (2. Jahrhundert v. Chr.), Phaedrus (1. Jahrhundert n. Chr.) und Avianus (um 400 n. Chr.), hinterließen später verschiedene Versionen der äsopischen Fabeln in Prosa oder Versform, die so zum Vorbild der europäischen Fabeltradition avancierten. Wichtig war hierbei auch die Prosasammlung Romulus, die zwischen 350 und 500 n. Chr. entstand. Das in Sanskrit verfasste Pancatantra ist eine weitere berühmte Sammlung von Tierfabeln in Form eines Fürstenspiegels, die vermutlich zwischen dem 1. und 6. Jahrhundert n. Chr. entstand und einem Weisen aus der Kaste der Brahmanen zugeschrieben wird. Das Pancatantra wurde in mehr als 50 Sprachen übersetzt, alle westlichen Adaptionen des Werkes beruhen auf einer nicht erhaltenen mittelpersischen Fassung.
Im Mittelalter waren Fabeln wegen ihres Lehrcharakters beliebt und gehörten zum Kanon der Schulausbildung; das satirische Element wurde im Tierepos zu einer komplexeren Erzählgattung weiterentwickelt (Anonymus Neveleti, 12. Jahrhundert). Seit dem 12. Jahrhundert erlebten Tiererzählungen in ganz Europa eine Wiedergeburt; u. a. Hugo von Trimberg integrierte sie in größere mittelhochdeutsche Erzählprojekte. Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang besonders die französische Dichterin Marie de France, die mit Èsope auf Grundlage einer englischen Sammlung um 1170 eine eigenständige französische Tradition begründete. Zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert entstand in Frankreich durch Aneinanderreihung verschiedener Tiererzählungen der Roman de Renart, deren Protagonist ein gerissener Fuchs mit dem Namen Reynard war. Die französische Tradition der Reynard-Erzählungen regte auch das erste deutsche Tierepos, Reinhard Fuchs, an, das das ganze Mittelalter hindurch in verschiedenen hoch- und niederdeutschen Fassungen in Umlauf war (siehe Reinecke Fuchs). Daneben blühte die Tierfabel auch in der mittelhochdeutschen Spruchdichtung. Abraham a Santa Clara nutzte sie innerhalb der Predigtliteratur zur religiösen Erbauung. Im 13. Jahrhundert trat Der Stricker mit mittelhochdeutscher Fabeldichtung hervor. Zu einer weiteren Blüte kam es zur Zeit des Humanismus und der Reformation (Martin Luther, Sebastian Brant, Hans Sachs, Johann Fischart etc.). Hier ragen vor allem H. Steinhöwels Vita Esopi et fabulae, Erasmus Alberus Erzählsammlungen von 1534 und 1550 sowie B. Waldis Esopus (1548) heraus.
Besonders zwischen dem 16. und dem späten 18. Jahrhundert wurden in Frankreich viele Fabelsammlungen veröffentlicht. Mit dem französischen Dichter Jean de La Fontaine erlebte die Fabeldichtung noch einmal einen Höhepunkt. Seine Tiererzählungen, später von Schriftstellern in allen Ländern nachgeahmt, erschienen zwischen 1668 und 1694. In Deutschland inzwischen in Vergessenheit geraten, wurde die Fabel erst in der Aufklärung als didaktische Gattung wieder entdeckt, so von Friedrich von Hagedorn und Christian Fürchtegott Gellert. Gleichzeitig versuchten sich Johann Jakob Bodmer, Johann Jakob Breitinger und Johann Christoph Gottsched an einer theoretischen Klassifikation. Der bedeutendste deutsche Fabeldichter des 18. Jahrhunderts aber, der besonders auf die äsopische Tradition zurückgriff, war zweifellos Gotthold Ephraim Lessing. In England ist die Erzählung des Nonnenpriesters (Nuns Priest Tale) in Geoffrey Chaucers Canterbury Tales (erschienen um 1478) die bekannteste frühe Fabel; jedoch gilt der von A. Houdar de la Motte und La Fontaine gleichermaßen beeinflusste John Gay gemeinhin als der beste englische Fabeldichter. Seine Tiergeschichten (erster Band 1727; zweiter Band 1738) zeichnen sich aus durch große Originalität und Witz. Um die russische Fabeltradition machte sich Iwan Andrejewitsch Kryllow mit Basni (1809 ff.) verdient.
Zu den wichtigen Fabeldichtern der modernen europäischen Literaturgeschichte gehören auch der spanische Dichter Tomás de Iriarte y Oropesa (18. Jahrhundert), Verfasser der Fábulas literarias (1782; Literarische Fabeln), und der berühmte dänische Schriftsteller Hans Christian Andersen (19. Jahrhundert), bei dessen Geschichten es sich zum Teil um Fabeln handelt. In den USA entwickelte sich, beginnend mit den Fables in Slang (1890) von George Ade, eine zeitgenössische Form der Fabel. Zu den Hauptvertretern gehören neben Ambrose Bierce (Fantastic Fables, 1899) James Thurber (Fables for Our Time, 1940) und William Saroyan (Fables, 1941). Fabeln für Kinder schrieben Johann Heinrich Pestalozzi (1803), W. Hey (1834) und Erich Kästner (Die Konferenz der Tiere, 1949). Des Weiteren verfassten u. a. Maurice Blanchot (Aminadab, 1942) und George Orwell (Animal Farm, 1945; Die Farm der Tiere) Fabeln.
Novelle
Novelle, Prosa-, selten auch Verserzählung von mittlerem Umfang, die sich durch straffe Handlungsführung, formale Geschlossenheit und thematische Konzentration auszeichnet. Gegenstand ist, nach einer Definition Johann Wolfgang von Goethes, eine sich ereignete unerhörte Begebenheit, eine Begebenheit also, die einen gewissen Anspruch auf Wahrheit erhebt und von etwas Neuem oder Außergewöhnlichem erzählt. Als charakteristische Merkmale novellistischen Erzählens gelten, ohne jedoch normative Verbindlichkeit beanspruchen zu können, die Zuspitzung auf einen Wendepunkt hin (entsprechend der Peripetie im Drama) und die Strukturierung durch ein sprachliches Leitmotiv oder durch ein Dingsymbol (Paul Heyses Falkentheorie). Häufig werden Novellen zu Zyklen verbunden oder einzelne Novellen in Rahmenerzählungen eingebettet: Techniken, die es ermöglichen, die Erzählsituation sowie die jeweiligen zeitgeschichtlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge zu beleuchten.
Die Gattungsgeschichte der europäischen Novelle beginnt um 1350 mit Giovanni Boccaccios Decamerone, einer durch Rahmenhandlung verknüpften Sammlung von 100 Erzählungen (Geschichten, Fabeln, Parabeln oder wirkliche Begebenheiten, wie wir sie nennen wollen). Die Konzeption des Decamerone wurde für Jahrhunderte Vorbild der europäischen Novellendichtung. In England nahm Geoffrey Chaucer die zyklische Form Boccaccios auf, allerdings zum Teil in Versen (Canterbury Tales, Ende 14. Jahrhundert), in Frankreich folgten die anonymen Cent nouvelles nouvelles (um 1460) sowie Marguerite de Navarres Heptaméron (1559) dem Modell. Matteo Bandello (Novelle, 1553/54) und Miguel de Cervantes (Novelas ejemplares, 1613, Exemplarische Novellen) setzten durch den Verzicht auf eine Rahmenhandlung neue Akzente. Darüber hinaus entfernte sich Cervantes in einem Teil seiner Novellen mit satirischen Sittenbildern und realistischen Gesellschaftsschilderungen entschieden von der italienischen Tradition. Die Rezeption seiner Werke in Deutschland gegen Ende des 18. Jahrhunderts wirkte stark auf die Novellistik der Romantik.
Nach Vorläufern in Humanismus, Barock und Aufklärung begann mit Goethes Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten (1795), nach dem Vorbild Boccaccios als Zyklus mit Rahmenhandlung angelegt, die Geschichte der deutschen Novelle. Auch Christoph Martin Wieland folgte mit dem Hexameron von Rosenhain (1805) der italienischen und französischen Tradition. Bis hin zu Gottfried Kellers Sinngedicht (1881) entstanden weitere Novellenzyklen, doch trat seit der Romantik und den Novellen Heinrich von Kleists die Einzelnovelle immer stärker in den Vordergrund. Auch Goethes Novelle (1828) gehört in diesen Zusammenhang. Neue Ausdrucksmöglichkeiten gewann die Novelle in der Romantik durch die Integration märchenhafter, phantastischer und dämonischer Elemente (so bei Ludwig Tieck, Achim von Arnim, Clemens Brentano, Friedrich de la Motte Fouqué, E. T. A. Hoffmann, Adelbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff). Nach der Novellistik der Biedermeierzeit (Annette von Droste-Hülshoff, Jeremias Gotthelf, Franz Grillparzer, Eduard Mörike, Adalbert Stifter) erreichte die deutsche Novelle im Realismus ihren künstlerischen Höhepunkt (Gottfried Keller, Theodor Storm, Conrad Ferdinand Meyer). Im Kontext des Naturalismus beginnt mit Gerhart Hauptmanns novellistischer Studie Bahnwärter Thiel (1888) die Geschichte der modernen, Anregungen von Émile Zola, Anton Tschechow, Guy de Maupassant und anderen aufnehmenden deutschen Novelle, die sich über Autoren wie Thomas und Heinrich Mann, Arthur Schnitzler oder Alfred Döblin bis zu Günter Grass und Martin Walser als äußerst fruchtbar erwiesen hat. Charakteristisch für die Entwicklung im 20. Jahrhundert ist eine Erweiterung der formalen Ausdrucksmöglichkeit, nicht zuletzt durch eine Annäherung an andere Formen des Erzählens.
Volksdichtung
Volksdichtung, auf Johann Gottfried von Herder zurückgehender Oberbegriff, der die Gesamtheit anonymer, mündlich überlieferter Texte aus vorliterarischer Zeit bezeichnet. Der Gedanke einer Volksdichtung entstand im Sturm und Drang, wurde aber erst von den Romantikern (den Gebrüdern Grimm, Johann Ludwig Uhland etc.) zu einer Theorie des kollektiv dichtenden Volksgeistes ausgebaut. In der Literaturwissenschaft gilt diese Vorstellung einer Volkheit (siehe Goethe) anonymer Texte inzwischen als überholt: Der Verlust eines Autorennamens ist noch kein Indiz für eine kollektive Verfasserschaft.
Der Terminus der Volksdichtung bezieht sich sowohl auf epische, dramatische und lyrische Formen. Dazu zählen Kurzformen (Sprichwort, Zauber- und Segensspruch, Witz, Kindervers), aber auch Langformen wie Volks- bzw. Heldenepos, Mythen (siehe Mythologie), Legenden (Sagen), Volksmärchen (im Gegensatz zum Kunstmärchen), Volkslieder und -balladen. Charakterisiert ist die Volksdichtung durch ihre naive Erzählperspektive, eine schnörkellos-stringente Erzählführung und die entindividualisierte (typisierte) Konzeption der Figuren. Daneben werden zumeist Themen allgemeineren Tenors (Liebe und Tod, Verbrechen und Bestrafung, Kampf von Gut und Böse etc.) behandelt. Neben Volksdichtung waren in der Romantik auch die Begriffe Volkspoesie, Nationalpoesie, Naturpoesie und Urpoesie gebräuchlich. Siehe auch Volksbuch.
Anfänge volkspoetischer Forschung
Anfang des 19. Jahrhunderts weckten die nach Anregung von Clemens Brentano von den Germanisten Jacob und Wilhelm Grimm zusammengestellten Kinder- und Hausmärchen (2 Bde., 1812-1815) das Interesse an Volkspoesie. Die Arbeit der Gebrüder Grimm inspirierte u. a. den Schotten Andrew Lang und den Dänen Hans Christian Andersen dazu, selbst Märchen zu sammeln und schriftlich zu fixieren. Die Gebrüder Grimm waren es auch, die erstmals thematische und strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen deutschen und romanischen Märchen sowie zwischen Märchen und germanischem Heldenepos bzw. Fabel entdeckten.
Letztlich aber legte der Philologe und Orientalist Theodor Benfey (1809-1881) den Grundstein zur vergleichenden Märchenforschung, indem er im Vorwort seiner Übersetzung Pancatantra (1859) die These belegte, dass zahlreiche Elemente heimischer Märchen, aus Indien stammend, von Händlern und Reisenden nach Westen transportiert worden sein mussten. Der Archäologe Karl Otfried Müller (1797-1840) hatte bereits zuvor darauf hingewiesen, dass die mythische Volksdichtung ihren Ursprung in einer Zeit haben könnte, als das Sanskrit und andere Schriftsprachen an Bedeutung verloren. Im englischsprachigen Raum wurde die Volkspoesieforschung durch die populäre Sagen- und Märchensammlung The Golden Bough (12 Bde., 1890, Der goldene Zweig) des Ethnologen Sir James George Frazer angeregt.
In jüngster Zeit ist die lange vernachlässigte Volksdichtung afrikanischer, indianischer und ozeanischer Kulturen immer mehr ins Zentrum des Interesses gerückt. Ausschlaggebend hierfür waren u. a. die Untersuchungen des deutschamerikanischen Ethnologen Franz Boas, der auf die grundlegende (kulturstiftende) Bedeutung der Volksdichtung in schriftlosen Gesellschaften verwies.
Beeinflusst von der Psychoanalyse Sigmund Freuds, untersuchte C. G. Jung Formen der Volksdichtung und stellte bestimmte immer wiederkehrende Bilder, Charaktere und Motive (so genannte Archetypen) fest. Diese führte er auf ein kollektives Unbewusstes zurück. Damit war der Begriff der Volksdichtung unter anderer Perspektive in gewisser Weise neu legitimiert. Zahlreiche dieser Archetypen finden sich etwa im Mythenschatz der Völker.
Mythos
Mythen sind aus dem Orient, aus Ägypten sowie aus dem griechischen bzw. germanischen Altertum überliefert. Als eine frühe Form der anonym tradierten Welterklärung stellen sie mit ihrem Personal (Götter, Dämonen etc.) und ihrer Thematik (Welterschaffung, Kampf, Naturgewalt etc.) eine wichtige Art der Volksdichtung dar. Dabei wurde der Wahrheitsgehalt dieser Erzählungen von den Zuhörern wohl nicht angezweifelt.
Die Figurenkonstellationen der Mythen verschiedener Völker sind sich erstaunlich ähnlich. Selbst Götter und Halbgötter unterschiedlichster Gestalt (so etwa Zeus in der griechischen Mythologie oder die Kojoten- oder Rabengötter indianischer Erzählungen) können über Gemeinsamkeiten kaum hinwegtäuschen. In der Figurenzeichnung einiger Mythen verwischen göttliche und menschliche Attribute. So kennt die indianische oder westafrikanische Überlieferung ganze Zyklen, in denen ein kleiner, gierig-listiger oder gar naiv-dummer Halbgott auftaucht, der selbst genauso häufig überlistet wird oder sich selbst überlistet wie er andere beschwindelt.
Legende und Sage
Dem Volksglauben (oder -aberglauben) entspringende Legenden oder Sagen befassen sich im Gegensatz zum Mythos nicht mit der Vorgeschichte, sondern der konkreten Lebenswelt des Menschen, auch dann, wenn sie religiösen oder phantastischen Ursprungs sind. Geschichten von Heiligen, aber auch von Werwölfen und Geistern haben sich ebenso wie fiktive Abenteuer historischer Persönlichkeiten zunächst mündlich überliefert, bevor sie schriftlich festgehalten wurden.
Gegenstand vieler Volksgeschichten und -balladen, die auf geschichtliche Wahrheit kaum Wert legen, wurden etwa Jesse James, Robin Hood, Davy Crockett und Kit Carson. In der Schweiz avancierte Wilhelm Tell zum Nationalhelden: Sein Apfelschuss wurde legendär.
Volksmärchen
Das vorliterarische Volksmärchen ist eine einfache, oftmals moralisch auslaufende Erzählform der Volksdichtung, die ohne raum-zeitliche Zuordnung phantastische Figuren (Feen, Zauberer, Dämonen, Zwerge, Drachen etc.) und Begebenheiten (verwunschene Menschen, sprechende Tiere etc.) mit Alltagsmomenten mischt. Im Märchen sind all diese Unwahrscheinlichkeiten wahr, da die sich aus einer der Erzählung innewohnenden Logik her verstehen lassen. Ursprünglich stammt das Volksmärchen aus dem Orient und wurde während der Kreuzzüge nach Europa gebracht (siehe Märchen).
Volksepos
In der Romantik entstand die Bezeichnung Volksepos für Heldenepen wie etwa das germanische Nibelungenlied. Auch von der Odyssee Homers nahm man an, dass sie ursprünglich aus dem schöpferischen Geist des Volkes entstanden sei. Tatsächlich nahm Homer zahlreiche überlieferte Stoffe auf und ließ sie in sein Werk miteinfließen. Wie hier, so kann auch beim Heldenepos die individuelle Schöpferkraft des Dichters nicht geleugnet werden. Epen, die für die Identitätsfindung eines Volkes eine zentrale Rolle spielten, werden Nationalepen genannt. Hierzu gehören das babylonische Gilgameschepos, die römische Äneis (siehe Vergil), das Chanson de Roland (Frankreich), Cid (Spanien), Beowulf (England), das Igorlied (Russland) und Kalevala (Finnland).
Volkslied
Als Volkslied bezeichnete Herder jene zum Allgemeingut gehörenden einfachen Strophen- und Melodiefolgen, deren Verfasserschaft unbekannt war. Herder, selbst ein Sammler solcher Lieder, wählte diesen Begriff in Anlehnung an Thomas Percy, welcher in seiner Abhandlung über frühe englische Poesie (Reliques of Ancient English Poetry) vom popular song gesprochen hatte. Herders Analogbildung aus einem Aufsatz über Ossian 1771 (Populärlied) wurde 1773 abgewandelt. Goethe (Heidenröslein) und Heinrich Heine (Loreley) ahmten diese Volksliedtradition später nach. In der Folge entstanden etwa die Sammlungen Achim von Arnims (Des Knaben Wunderhorn, 1806-1808) und Uhlands (Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder, 1844-1845), die den Glauben der Romantik an eine kollektive Verfasserschaft der aufgenommenen Lieder belegen.
Volksrätsel
Zu den ältesten überlieferten Zeugnissen der Volksdichtung gehören Rätsel (etwa Zauber- und Orakelsprüche), die, oftmals in Sagen, Märchen und Mythen eingestreut, zumeist den Verlauf der Handlung bestimmen: Eine Lösung des Rätsels zieht den Freispruch, ein Scheitern den Tod des Geprüften nach sich. Das Volksrätsel hat seinen Ursprung im Orient. Vor allem bei den Hebräern war diese Form verbreitet. Zu diesem Rätseltyp gehört etwa der berühmte Rätselstreit Salomons mit der Königin von Saba im Alten Testament der Bibel.