Das Nostalgie-Lexikon aus der Kolonialzeit
"Ein
Fehlklick, 'oh herjemine' wie pervers,
wo aber bin ich gelandet?"
Mir war
nicht klar was ich getan haben sollte,
ich hatte wie üblich
meine persönlichen
Routinen durchgeklickt und staunte
nicht
schlecht, als urplörtzlich einmal
etwas ganz anders war –
als ich es
ansonsten gewohnt war.
Ein
Bild hatte sich vor mir aufgetan,
dessen Farbe alleine, sie erinnerte
mich an
uralte Photos meines Vaters, die ihn als
wilhelminischen
Soldaten mit 'Kokarde' und
so – auf der 'Rundmütze'
zeigten etc., hochgradig
animierenden Einfluß, auf mein
weiteres Verhalten
nehmen sollte. "Ja", dachte ich alsbald
hocherfreut,
"was haben wir denn da? Was bedeuten die
Namen und
was all das andere?" Nachdem ich
einige Male geklickt hatte
wußte ich bescheid,
ich war auf einem Lexikon aus der
Kolonialzeit
gelandet. "Das es so etwas noch gibt!" Dachte
ich
begeistert, und klickte und klickte und klickte.
Nachdem ich eine
gewisse Zeit der Beruhigung
erklickt hatte, machte ich mich daran,
das Interieur
wie ich mich hocherfreut ausdrücken mochte zu
bestaunen. Und was gab da nicht alles zu sehen –
zu bewundern
und zu erhaschen, es war das
Erleben so sehr prächtig, daß
ich mich wirklich
zusammennehmen mußte, eine Art von
nostalgischer
Elegie wollte nämlich Besitz von mir ergreifen.
Unter
dem Buchstaben "B" fand ich z.B. und
u.a. den ehemaligen
Reichskanzler einer Zeit die
ich verherrlichen könnte wäre
ich nicht ein
cooler Typ, 'Herrn Bernhard von Bülow' nämlich,
und all mein stolzes, normales Geschichtsbewußtsein
war wie mit
einem Schlag in höchste Ehre genommen,
ja, ja, ich bin schon ein
wirklich seltsamer Mann ...
(Bernhard Malinkewitz)