Der Besuch des Arztes
»Mann oh Mann«, grummelte Dr. Sucht, »sie hat es ja ganz schön erwischt!« Besorgt schaute er die Mutter des Kindes an. Die junge Frau war vielleicht selbst gerade erst einmal 19 Jahre jung, die kleine Tochter schon fünf. Er war nicht zum ersten Male hier, die junge Frau hatte wirklich ein seltsam merkwürdiges Händchen, bei der Ausrichtung und Gestaltung des Lebens für ihre kleine Tochter. Vorsichtig nur, so wollte er psychologisch, auf die unverheiratete ‘Frau Spitz’ einwirken. Das machte allerdings Probleme, denn sie war wirklich nicht mit Klugheit gesegnet, aber dumm, tatsächlich dumm, war sie noch lange nicht. Warum also sollte sie seine vorsichtig tastend ergründeten Ergebnisse aus der Analyse ihrer Psyche oder Charakters die seine Psychologie basierten ad absurdum führen? Nein, er – Dr. Sucht, würde schon alles richtig machen.
Viel frische Luft – das hatte er zuletzt empfohlen, »vor allem Fenster und Türen auf«, so hatte er gesagt, damit das Rauchen der Mutter und ihrer beständig bei ihr weilenden Gäste, es war sowieso gefährlich für das Kind, nicht noch Schlimmeres hervor brächte, als es mit der nun akut sichtbaren, ansonsten chronisch veranlagten Bronchitis ohnehin der Fall bei dem Mädchen ist.
»Manuela«, sprach er die kleine nun an, »was hältst du davon, wenn du ein paar Tage in ein schönes, warmes, ganz liebes und vor allem, ganz ganz sauberes Krankenhaus wechselst?« Das Gesicht des Kindes sowieso gerötet, nahm nun eine tiefrote Farbe an, flehend ging der ängstliche Blick der Kleinen zur Mutter, sie sagte nichts. »Ja!« Sagte indes die Mutter.
(Bernhard Malinkewitz)