Bernhard Malinkewitz:


Der PEN-Club



PEN-Club (zu englisch pen: Schreibfeder), 1921 durch die englische Schriftstellerin Amy Dawson Scott in London gegründeter internationaler Zusammenschluss von Schriftstellern, dem Lyriker (poets), Dramatiker (playwrights), Essayisten (essayists), Herausgeber (editors), Romanciers (novellists) und Sachbuchautoren (non-fiction-writers) angehören. Der erste Präsident war bis 1933 John Galsworthy. PEN unterhält 119 Zentren in 86 Ländern auf der ganzen Welt. Insgesamt hat er 13 000 Mitglieder.

Der PEN steht Schriftstellern aller Nationalitäten, Rassen und Religionen offen. Nach ihrer Wahl durch das nationale Zentrum müssen die Mitglieder die PEN-Charta unterzeichnen. Darin werden die Grundsätze des PEN angeführt, die der Verbreitung von Literatur, der Pressefreiheit und der intellektuellen Toleranz dienen sollen. Zu den PEN-Mitgliedern gehörten und gehören u. a. Joseph Conrad, D. H. Lawrence, George Bernard Shaw, Alberto Moravia, Chinua Achebe, Susan Sontag und Václav Havel. Der Internationale Verbund der PEN-Clubs wird geleitet von einem Präsidenten, der für drei Jahre gewählt wird. 1997 wurde der mexikanische Schriftsteller Homero Aridjis Präsident.

Zu den von der Organisation realisierten Programmen gehört das PEN-Komitee Writers in Prison (Schriftsteller in Haft), das seinen Sitz in London hat und bei der Beschaffung und Verbreitung von Informationen über Schriftsteller und Journalisten, die wegen ihrer Meinungsäußerungen inhaftiert wurden, mit Menschenrechtsorganisationen zusammenarbeitet. Ein weiteres Komitee kümmert sich um Übersetzungen von Literatur aus unbekannteren Sprachen und um Sprachen, die vom Aussterben bedroht sind. Das in Ljubljana (Slowenien) ansässige Komitee Schriftsteller für den Frieden untersucht Möglichkeiten, wie Autoren die Sache des Weltfriedens voranbringen können. In New York befindet sich ein Komitee, das Frauen in Entwicklungsländern beim Schreiben und bei der Veröffentlichung ihrer Werke unterstützt.

Der Internationale Verband der PEN-Clubs führt einen Jahreskongress und regionale Konferenzen sowie Symposien durch. Des Weiteren veröffentlicht er PEN International, ein zweimal im Jahr erscheinendes Literaturmagazin.

PEN in Deutschland

1923 gründete Ludwig Fulda ein erstes deutsches PEN-Zentrum, das 1933 gleichgeschaltet wurde. Nachdem sich der Internationale PEN-Kongress im Mai 1933 in Ragusa (Dubrovnik) – vor allem aufgrund des Auftritts von Ernst Toller– zum Tribunal gegen das nationalsozialistische Deutschland gestaltete, trat der deutsche PEN noch Ende des Jahres aus. Unter Leitung von Rudolf Olden bildete sich 1934 ein Deutscher PEN-Club im Exil in London; später stand ihm Alfred Kerr vor. (In Nachfolge des Exil-PEN besteht bis heute ein PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland.) 1947 wurde in Deutschland ein PEN-Zentrum neu gegründet, das unter der Präsidentschaft Johannes R. Bechers Autoren aus allen Besatzungszonen vereinigte. 1951 kam es zur Spaltung; es bildete sich ein Deutsches PEN-Zentrum (Bundesrepublik), während das frühere Zentrum als Deutsches PEN-Zentrum Ost und West weiterbestand; letzteres wurde 1967 in das PEN-Zentrum Deutsche Demokratische Republik übergeführt – seit 1990 hieß es Deutsches PEN-Zentrum (Ost). Erst 1998 beschlossen der Ost-PEN und das westdeutsche PEN-Zentrum ihre Vereinigung.

Das PEN-Zentrum (Bundesrepublik) hatte seinen Sitz in Darmstadt. Präsidenten waren Erich Kästner (1951/52), Bruno E. Werner (1962-1964), Dolf Sternberger (1964-1970), Heinrich Böll (1970-1972), Hermann Kesten (1972-1976), Walter Jens (1976-1982), Martin Gregor-Dellin (1982-1989), Carl Amery (1989-1991), Gert Heidenreich (1991-1995), Ingrid Bachér (1995/96) und Karl Otto Conrady (seit November 1996) geleitet. Das PEN-Zentrum (Bundesrepublik) vergibt als Literaturpreis die Hermann-Kesten-Medaille, seit 1997 ist er mit 10 000 DM dotiert.

Das Deutsche PEN-Zentrum (Ost) hatte seinen Sitz in Berlin und beschäftigte sich nach der Wiedervereinigung vorrangig mit der eigenen DDR-Vergangenheit. Im Januar 1998 trat der bisherige Präsident Dieter Schlenstedt aus Gesundheitsgründen zurück; Nachfolger wurde B. K. Tragelehn.

Literaturzeitschriften, Bezeichnung für Periodika bzw. Produktionszeitschriften, die ausschließlich literarische Texte – Erstveröffentlichungen, Nachdrucke, Teilveröffentlichungen – präsentieren, aber auch für so genannte Rezeptionszeitschriften, die vorrangig Diskussionsbeiträge zu Werken, Autoren, Literaturdebatten etc. liefern, über Aktuelles aus allen Gebieten des literarischen Lebens informieren und als Berichts- und Rezensionsorgane Kritiken publizieren. Zu den Literaturzeitschriften werden aber auch allgemein-kulturelle, literarisch-politische und literarisch-weltanschauliche Journale gezählt, die neben anderen Inhalten einen Literaturteil besitzen und zumeist ein größeres Publikum erreichen als die rein literarischen Fachzeitschriften. Die Literaturzeitschriften sind ein wichtiger Indikator für die jeweilige Bedeutung der Literatur in der Gesellschaft; auch fungieren sie als Plattform für neue literarische Richtungen und neue Autoren und stellen somit ein wichtiges Element des Literaturbetriebs dar. Der Vielzahl der seit dem 17. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum erschienenen Literaturzeitschriften – allein für den Zeitraum von 1880 bis 1945 lassen sich 3 341 Titel bibliographisch erfassen – entspricht die formale und inhaltliche Vielfalt vom repräsentativen, opulent illustrierten Magazin bis zum hektographierten Blättchen, vom volkspädagogisch orientierten Bildungsheft bis zur avantgardistischen Programmzeitschrift bzw. vom reinen Unterhaltungsblatt bis zum gelehrten Rezensionsorgan.

Wichtige literarische Zeitschriften der deutschen Literatur seit dem 18. Jahrhundert waren u. a. Christoph Martin Wielands Teutscher Merkur (1773-1810), Friedrich von Schillers Horen, Johann Wolfgang von Goethes Propyläen (1798-1800), die Freie Bühne des Naturalismus (seit 1890, ab 1894 Neue Rundschau, ab 1904 Neue Rundschau), zur Jahrhundertwende Die Insel (1899-1902), Die Jugend (1896-1940) und Karl Kraus’ Die Fackel (1899-1936), im Expressionismus Herwarth Waldens Der Sturm (1910-1932), Franz Pfemferts Die Aktion (1911-1932) und Ludwig von Fickers Der Brenner (1910-1934), Carl von Ossietzkys Die Weltbühne (1918), für die Exilliteratur Die Sammlung (1933-1935) und Das Wort (1936-1939) sowie für die deutsche Literatur nach 1945 Der Ruf (1946-1949). Weitere Produktionszeitschriften sind Akzente (seit 1954), Die Horen (seit 1955), manuskripte (seit 1960), Kursbuch (seit 1965) und Tintenfisch (seit 1968). Für die deutsche Literaturwissenschaft ist heute vor allem die bibliographische Rezensionszeitschrift Germanistik von Belang. Weitere Organe sind etwa Arcadia, Daphnis, Deutsche Vierteljahresschrift für Literatur, German Quarterly, Literatur für Leser, Poetica und die Zeitschrift für deutsche Philologie.

(Diesen Artikel habe ich aus der MS-Encarta 99 entliehen –

Bernhard Malinkewitz)



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