Bernhard Malinkewitz



Luftkriege - oder?



Der Luftkrieg, ist eine militärische Operation
in und aus der Luft.

Im taktischen Bereich umfaßt "diese Operation": die
Unterstützung der Landstreitkräfte und der
Marine durch Beobachtung des Gegners aus
der Luft; die Leitung und Koordinierung des
Beschusses durch See- und Bodenwaffen sowie
den Transport von Truppen, Ausrüstung und
Versorgungsmaterial. Im strategischen Bereich
beinhaltet der Begriff den Kampf zwischen J
agdflugzeugen und die Bombardierung
von gegnerischen Produktionsstätten,
Kommunikationssystemen und
Bevölkerungszentren (siehe Luftkriegsrecht weiter unten).



Beobachtungsballon

Die Idee der Kriegsführung von einem Luftschiff aus wurde bereits 1670 von dem italienischen Jesuiten Francesco de Lana Terzi in seinem Buch der Erfindungen Prodromo overo saggio di alcune invenzioni nuove geäußert. Während der Französischen Revolution wurde dann im Jahr 1794 zum ersten Mal ein Ballon für militärische Zwecke eingesetzt, von dem aus französische Militärbeobachter den Bodenbeschuss gegen die österreichischen Streitkräfte leiteten. Als erster Luftangriff gilt der Abwurf von Bomben auf die Stadt Venedig durch unbemannte Heißluftballone im Jahr 1849. Während des Amerikanischen Bürgerkrieges verwendeten die nordamerikanischen Truppen 1862 und 1863 Ballone zur Beobachtung von Truppenbewegungen der Südstaatenstreitkräfte. Der erste Bombenabwurf aus einem Flugzeug erfolgte 1911 während des italienisch-türkischen Konflikts in Libyen.



Der 1. Weltkrieg

Als vor 1914 die Kriegsgefahr in Europa zunehmend deutlicher und ein möglicher Einsatz des Zeppelins (siehe Luftschiff) für militärische Zwecke durch die Deutschen absehbar wurde, sah sich Großbritanniens Militärführung genötigt, ebenfalls Vorbereitungen für einen möglichen Luftkrieg zu treffen, so dass 1912 das Royal Flying Corps (Königliche Flugtruppe) gegründet wurde. Das erste Militärflugzeug der Vereinigten Staaten wurde von Wilbur und Orville Wright gebaut und nach Prüfung im Jahr 1909 von den Streitkräften angenommen.

Während des Italienisch-Türkischen Krieges (1911/12) führte die italienische Armee erstmals Beobachtungen der Truppenbewegungen der türkischen Armee von Flugzeugen aus durch. Nachdem die Deutschen zu Beginn des 1. Weltkrieges Paris und London mit Hilfe von Zeppelinen bombardiert hatten, zogen sie diese jedoch kurz darauf wegen ihrer extremen Anfälligkeit wieder zurück, und die Zukunft des Luftkrieges gehörte zunächst den Flugzeugen mit Propellerantrieb. Als 1914 die Kämpfe ausbrachen, besaßen die Alliierten und die Deutschen jeweils etwa 200 Flugzeuge an der Westfront. Die ersten Flugzeuge bestanden hauptsächlich aus Aufklärungs- und Erkundungsmaschinen, die wie die Vickers FB 5 relativ langsam und vor Flugabwehrbeschuss nicht geschützt waren. Der französische Starflieger Roland Garros war 1915 der Erste, dem es gelang, mit dem Maschinengewehr durch den eigenen Propellerkreis ein Flugzeug abzuschießen. Der niederländische Flugzeugbauer Anthony Fokker, der mit den Deutschen zusammenarbeitete, entwickelte den Fokker-Eindecker, den er mit einer Unterbrechereinrichtung ausstattete, so dass das fest eingebaute Maschinengewehr durch den eigenen Propellerkreis schießen konnte, ohne die Propellerblätter zu beschädigen. Diese Neuerung und die Entwicklung schnellerer Flugzeuge begründeten schließlich das Zeitalter der Kampfflugzeuge.

Der Luftkampf des 1. Weltkrieges brachte Piloten hervor, deren Ruhm legendär wurde: Baron Manfred von Richthofen (bekannt als Roter Baron) aus Deutschland, die Franzosen Georges Guynemer und Charles Nungesser, den Briten Albert Ball, den Kanadier William Bishop und Eddie Rickenbacker aus den Vereinigten Staaten.

In den frühen Kriegsjahren wurden die Bomben von Hand über den Rand des Cockpits abgeworfen. Später entwickelte man schwerere Maschinen, die, ausgerüstet mit Zieleinrichtungen, eine größere Treffsicherheit beim Angriff auf militärische und zivile Ziele gewährleisteten.



Zwischenkriegszeit

Nach dem 1. Weltkrieg traten in ganz Europa Befürworter eines planvollen Aufbaus von nationalen Luftstreitkräften auf, darunter Hugh Trenchard, der Leiter des britischen Royal Flying Corps und erster Befehlshaber der RAF (Royal Air Force: Königliche Luftwaffe) nach deren Gründung im April 1918. Dazu gehörte auch Giulio Douhet, ein italienischer Armeeoffizier, der zwischen 1912 und 1915 die erste Flugeinheit Italiens geleitet hatte. In seinem Buch Command of the Air (1921) vertritt er die Idee der strategischen Bombardierung von gegnerischen Objekten.

Zwischen 1935 und 1936 entstanden in Großbritannien und Deutschland die Prototypen der im 2. Weltkrieg eingesetzten Jagdflugzeuge und Bomber. Die Entwicklung der Hochgeschwindigkeits-Angriffsbomber während der dreißiger Jahre erreichte ihren Höhepunkt mit der amerikanischen Langstreckenmaschine Boeing B-17 Flying Fortress (Fliegende Festung). Jagdflugzeugen dagegen wurde in den Vereinigten Staaten nicht dieselbe Aufmerksamkeit zuteil, da die Bomber durch Änderungen in der Konstruktion auch zur Selbstverteidigung eingesetzt werden konnten. 1935 wurde Äthiopien zum ersten Opfer faschistischer Aggression, als es von den Italienern auch aus der Luft angegriffen wurde. Der Krieg in Äthiopien sowie der Spanische Bürgerkrieg, bei dem im Jahr 1938 die Luftwaffe zum Einsatz kam, dienten als Übungsplatz für Luftwaffenbau und Luftkriegstaktik im Vorfeld des 2. Weltkrieges.



Der 2. Weltkrieg

Der 2. Weltkrieg begann im Jahr 1939 mit der Invasion Polens, der Bombardierung der wichtigsten Städte und der Zerstörung der polnischen Luftstreitkräfte durch die deutsche Luftwaffe. 1940 wurden auch Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien und Frankreich zum Teil durch massiven Einsatz der Luftstreitkräfte besiegt. In der Luftschlacht um England zwischen August und September 1940 gelang es der britischen Flugabwehr, die deutsche Luftwaffe auszuschalten. Der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten von Amerika erfolgte unmittelbar nach dem Überraschungsangriff japanischer trägergestützter Flugzeuge auf Pearl Harbor und die Philippinen, der einen Großteil der amerikanischen bodenstationierten Kampfluftwaffe im Pazifik zerstörte.

Im europäischen Kriegsgebiet kamen den britischen Luftabwehrsystemen besonders die Entwicklung des Radars sowie die Unfähigkeit der deutschen Jagdflugzeuge zugute, aufgrund begrenzter Kraftstoffkapazitäten ihre Bomber zu eskortieren. Die Entwicklung deutscher Nachtjäger setzte erst ein, nachdem die Briten ihre Flächenangriffe auf Deutschland gestartet hatten, wie den 1 000-Bomber-Angriff auf Köln im Mai 1942. Gegen Ende des Krieges führten amerikanische Bomber auch Tagesangriffe auf Industriezentren und militärische Ziele durch. Ab 1944 ermöglichten neuartige Langstrecken-Begleitjäger den alliierten Bombern, relativ ungefährdet bis weit ins Innere Deutschlands vorzudringen. Durch die Zerstörung deutscher Luftstreitkräfte und Flugzeugfabriken gelang es den Alliierten schließlich, im Luftraum Oberhand zu gewinnen. Am Tag der Invasion (D-Day), dem 6. Juni 1944, konnte die deutsche Luftwaffe aufgrund der Luftüberlegenheit der Alliierten nur wenige Abwehrangriffe gegen die Invasion der Landstreitkräfte unternehmen.

Es sollte sich jedoch herausstellen, dass einige deutsche Entwicklungen richtungweisend für die Zukunft des Luftkrieges waren. Die V 1 oder fliegende Bombe, ein unbemanntes Düsenflugzeug mit einer Sprengstoffladekapazität von 907 Kilogramm, wurde ab Juni 1944 vorwiegend auf zivile Ziele in England gerichtet. Die V 2, der erste Lenkflugkörper, der über eine Reichweite von etwa 320 Kilometern 748 Kilogramm Sprengstoff mitführen konnte, wurde im September 1944 gestartet. Diese Angriffe kamen jedoch zu spät, um den Ausgang des Krieges noch beeinflussen zu können.

Am pazifischen Kriegsschauplatz siegten die amerikanischen trägergestützten Flugstreitkräfte im Juni 1942 in der Schlacht von Midway. Die Kämpfe um die Gilbert-, Marshall- und Marianen-Inseln waren schließlich erfolgreich und versorgten die amerikanischen Truppen mit Stützpunkten für Bombenangriffe auf Japan. Am 9. März 1945 zerstörten Bomber mit einem massiven Brandangriff etwa ein Viertel der Gebäude Tokyos, und am 6. August desselben Jahres wurde von einem B-29-Bomber die erste Atombombe auf Hiroshima abgeworfen.

Der Einsatz der Luftstreitkräfte ermöglichte den Sieg über Japan, ohne dass eine Invasion nötig geworden war, und ließ den Schluss zu, dass in einem zukünftigen Krieg allein durch Luftschlachten die endgültige Entscheidung über Sieg und Niederlage fallen könnte. Dieses bestätigte sich 1967 im Sechstagekrieg zwischen mehreren arabischen Nationen und Israel, als innerhalb von nur drei Stunden 452 arabische Kampfflugzeuge durch israelische Luftangriffe zerstört wurden.



Nachkriegszeit

Bis zu Beginn der fünfziger Jahre führten bedeutende Fortschritte in der Flugkörpertechnologie zur Entwicklung von Boden-Luft-, Boden-Boden-, Luft-Luft- und Luft-Boden-Raketen sowie von Raketen, die unter Wasser abgeschossen werden. Während des Kalten Krieges in den fünfziger Jahren spielte die Möglichkeit des Abfangens von großen Atombombern eine wichtige Rolle für den Jagdluftangriff. Tieffliegende Angriffsflugzeuge wurden für die Luftschlacht und die Nahunterstützung der Landstreitkräfte entwickelt. Mit der Entwicklung von land- und wassergestützten interkontinentalen Raketen verloren die strategischen Langstreckenbomber an Bedeutung. Die taktische Anwendung von bemannten Flugzeugen wurde allerdings fortgesetzt, und zwar in den so genannten begrenzten Kriegen, die nach dem 2. Weltkrieg stattfanden.

Im Koreakrieg verwendeten die Vereinigten Staaten anfangs Flugzeuge mit Propellerantrieb aus dem 2. Weltkrieg, setzten aber später Düsenjäger gegen die russische MiG-15 ein. Aus politischen Gründen beschränkten sich die Angriffe der US-Luftwaffe und -Marine auf die Behinderung des feindlichen Vorrückens, die Unterbrechung der Nachschubwege sowie die Zerstörung ihrer Kommunikationsgeräte und Versorgungslinien durch Beschuss und Bombardierung. Im Jahr 1954 wurde anhand des Grundsatzes der „massiven Vergeltung“ festgelegt, dass sich die Supermächte in zukünftigen Konflikten bei Luftangriffen nicht notwendigerweise auf die lokalen Kampfräume beschränken müssten, sondern auch das feindliche Land selbst angreifen könnten.



Der Vietnamkrieg

Die Piloten der Bomber und Jagdflugzeuge wurden durch die Boden-Luft-Raketen der Luftabwehr mit einer beträchtlichen neuen Gefahr konfrontiert. Allerdings ermöglichte ihnen die Entwicklung der Elektronik in Form von laser- und optikgestützten Bomben, Raketenortung und Radarstörgeräten sowie Luft-Luft- und Luft-Boden-Raketen, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die Luft- und Raumfahrtelektronik (Avionik) war ein überaus wichtiger Entwicklungsschritt in der Geschichte der modernen Jagdluftfahrzeuge. Durch die Möglichkeit des Nachtankens in der Luft wurde die Reichweite der Kampfflugzeuge bedeutend erhöht. Andererseits war der Einsatz von trägergestützten Flugzeugen, gemessen an den Erfolgen im 2. Weltkrieg, nicht sonderlich wirksam. Ebenfalls im Vietnamkrieg wurden auch Hubschrauber, die anfangs nur für Beobachtung, Beförderung und den Abtransport von Verletzten bestimmt waren, als Kampfwaffe eingesetzt.



Der Golfkrieg

Ab Januar 1991 wurde während des Golfkrieges die Rolle der Luftmacht in der modernen Kriegsführung erneut überzeugend veranschaulicht. Den militärischen Grundsatz Airland Battle befolgend, wurden Angriffe hinter die feindlichen Linien geflogen, wobei irakische Befehls- und Kontrollzentren, Kommunikationsanlagen, Versorgungsdepots und Nachschubkräfte zerstört wurden, so dass die Luftüberlegenheit bereits erreicht war, als die bewaffneten Bodeneinheiten einmarschierten.

Der irakischen Luftflotte mit ihren etwa 500 sowjetischen MiG-29 und französischen Mirage F-1 wurden von den Alliierten mehr als 2 250 zum Teil mit modernster Technologie (z. B. Tarnkappenbomber, TV- und lasergesteuerte Raketen, Marschflugkörper) ausgerüstete Kampfflugzeuge entgegengesetzt.



Luftkriegsrecht

In den völkerrechtlichen Bestimmungen des Kriegsrechts sind auch Regeln zur Führung von Luftkriegen enthalten. Dieses Luftkriegsrecht beinhaltet alle Regeln des allgemeinen Kriegsrechts. Militärische Operationen aus der Luft haben sich demzufolge auf militärische Objekte und Angriffe auf gegnerische Kampftruppen zu beschränken. Die Praxis des Flächenbombardements und Angriffe auf die Zivilbevölkerung verstoßen gegen das Völkerrecht. Im Artikel 51 des Zusatzprotokolls von 1977 zu den Genfer Konventionen von 1949 wird noch einmal ausdrücklich festgelegt, dass militärische Operationen die Zivilbevölkerung und zivile Einrichtungen keinen Gefahren, bzw. nur geringen Gefahren aussetzen dürfen, die nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit abgewogen werden müssen. Bombardements von Wohngebieten stehen daher unter dem Verbot des Völkerrechts.

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